3-on-1 Fastbreak, NBA, Orlando Magic

What’s next for the Orlando Magic?

3-on-1 Fastbreak #10

Vor der Spielzeit 2015-16 machte man bei den Orlando Magic keinen Hehl daraus, dass man nach drei Jahren im Keller der NBA in Zukunft wieder höhere Ziele anstreben will. Mit Coach Scott Skiles verpflichtete man für dieses Vorhaben einen erfahrenen Trainer, der dafür bekannt ist, mit einem defensiv-orientiertem Spielstil kurzfristigen Erfolg herbeizuführen.

Im Laufe der Saison zeigten sich die Orlando Magic zwar verbessert, trotzdem verabschiedete sich die junge Mannschaft vorzeitig aus dem Playoff-Rennen. Zur Trading Deadline entschied man dann, dass Tobias Harris in den Zukunftsplänen der Magic keine Rolle spielt und schickte ihn zu den Detroit Pistons. Ein Trade, welcher der Franchise aus Central Florida vor allem eines bringt – finanzielle Flexibilität im kommenden Sommer.

Auf welche Spieler aus dem aktuellen Roster sollten die Orlando Magic in der nächsten Saison setzen? Wie sollten man in der Free Agency agieren? Wird man hier den Grundstein legen, um in der Saison 2016-17 das erste Mal nach dem Abgang von Dwight Howard in die Playoffs einzuziehen? Es gibt viele offene Fragen bezüglich der Orlando Magic; Grund genug um sie in der zehnten Ausgabe des 3-on-1 Fastbreak zu thematisieren.

 

Marc Petri: Die Ausgangslage für den kommenden Sommer und der darauf folgenden Spielzeit 2016-17 erscheint spätestens nach dem Harris-Trade klar; es gibt für die Orlando Magic in der kommenden Spielzeit nur ein Ziel: Das Erreichen der Playoffs. Man hat sich als Gegenwert nicht etwa für Talente oder Draftpicks entschieden, sondern für den auslaufenden Vertrag von Brandon Jennings und den nur zu einem sehr geringen Teil garantierten Vertrag von Ersan Ilyasova. Für die kommende Saison sollte aber keiner der beiden eine Rolle spielen. Auch wenn kein Spieler im Roster der Magic unantastbar erscheint sollten nur drei Spieler eine übergeordnete Rolle in den Planungen der Orlando Magic spielen; Victor Oladipo, Elfrid Payton und Aaron Gordon.

Die heiße Phase für die Orlando Magic beginnt trotz des verfügbaren Capspace jedoch nicht erst mit der Free Agency. Es wäre keine Überraschung, wenn General Manager Rob Hennigan schon kurz vor oder während der Draft sehr aktiv sein wird. Neben der Tatsache, dass man durchaus noch gewillt sein sollte weiteren Capspace zu generieren, wäre dieser Zeitpunkt die Gelegenheit, die Attraktivität für Free Agents zu erhöhen. Soll heißen: Wenn ein Spieler der gehobenen Qualität verfügbar sein sollte, wird Rob Hennigan die Möglichkeiten eines Trades erörtern. Schon im vergangenen Sommer führte man (dem Vernehmen nach) aussichtsreiche Gespräche mit dem damals vertragslosen Paul Millsap, welcher sich aber schlussendlich für einen Verbleib bei den Atlanta Hawks entschied. Es wäre sicherlich von Vorteil möglichen Verpflichtungen eine Entscheidungshilfe in Form von starken Mitspielern zu präsentieren. Ein Spieler, welcher als möglicher Gegenwert in Frage käme wäre Center Nikola Vucevic. Zusätzlich hätte man die Möglichkeit ein potentielles Angebot mit Draftpicks oder gar mit dem fünften Pick des vergangenen Drafts, Mario Hezonja, zu verbessern.

Extrem spannend wir dann die Free Agency. Nach aktuellem Stand werden die Orlando Magic bis zu 50 Mio. Dollar Capspace zur Verfügung haben und es ist davon auszugehen, dass man diesen bei der Jagd auf Free Agents vollständig nutzen wird. In einem Sommer, in dem bis zu 26 Teams die Möglichkeit haben werden bis zu 20. Mio. USD freie Gehälter für die Verpflichtung von Free Agents zu schaffen, kann man jedoch davon ausgehen, dass keine potentielle Neuverpflichtung günstig zu bekommen sein wird. Dem Vernehmen nach gelten die ehemaligen Gators Al Horford und Chandler Parsons, der zudem nur einen Fußmarsch vom Amway Center entfernt geboren wurde und aufgewachsen ist, als mögliche Kandidaten.

Der einzige eigene Free Agent, der im Sommer eine übergeordnete Priorität besitzen sollte, ist Flügelspieler Evan Fournier, der in der aktuellen Saison einer der positiven Erscheinungen bei den Orlando Magic ist. Er überzeugt vor allem durch seinen sicheren Dreier (40 Prozent bei 228 Versuchen; TrueShooting: 57,7 Prozent) ist aber auch beim Zug zum Korb und im Transition-Game der effizienteste Spieler der Magic. Sowohl mit dem Ball in der Hand als auch auch off-the-ball war er in der unterdurchschnittlichen Offensive der Magic (ORtg: 104,1; Platz 25) in dieser Spielzeit einer der wenigen Lichtblicke (ORtg Evan Fournier:  111). Durch seinen relativ geringen Caphold  hat man bei ihm die Chance zuerst den verfügbaren Capspace für externe Verstärkungen zu nutzen, um ihn danach über der Gehaltsobergrenze zu halten.  Eine Verlängerung zu in etwa den Bezügen, zu denen man im vergangenen Sommer den Vertrag von Tobias Harris weiterverpflichtete (durchschnittliche 16 Mio. über 4 Jahre) erscheint realistisch. Außer für den Fall, dass man vorher Einigung mit zwei Free Agents erzielt, die auf den gleichen Positionen spielen, sollte man mit Evan Fournier in jedem Fall verlängern bzw. mit jedem Offersheet einer anderen Franchise mitziehen.

Schon jetzt ist klar, dass es im Sommer bei den Orlando Magic viele Veränderungen geben wird und General Manager Rob Hennigan unter großem Druck agieren wird. Schafft er es nicht ein Roster aufzustellen, welches im kommenden Jahr um den Einzug in die Playoffs spielen wird, dürfte dies sein letzter Sommer in seiner aktuellen Position sein. Diese Situation resultiert aus der allgemeinen Erwartungshaltung im Umfeld der Orlando Magic, aber auch durch die Trades, welche er im Februar tätigte.

 

Julian Lage: Der Deadline-Trade von Tobias Harris zu den Pistons hat deutlicher gemacht, wie das Magic-Team der nächsten Jahre aussehen könnte. Harris abzugeben war wohl gleichzeitig die Entscheidung für Evan Fournier, so dass ein solider Kern von Payton, Oladipo, Fournier, Gordon und Vucevic mit Mario Hezonja und dem diesjährigen Pick als Wildcards die Grundlage darstellen wird. Auf den ersten Blick sieht das Team recht brauchbar aus: Alle Spieler sind 25 oder jünger und weisen entsprechend noch Potential auf, obwohl die meisten bereits jetzt brauchbare Zahlen abliefern.

Trotzdem macht die Starting Lineup das relativ offensichtliche Problem der Magic deutlich: Kein Spieler erweckt derzeit den Eindruck, als könnte er realistisch zur ersten Option eines guten Playoff-Teams, geschweige denn, zum echten Franchise-Player werden. Das hat einiges mit dem Dwight Howard-Trade zu tun, denn wie hier beschrieben, ertradete Hennigan viele gute statt ein oder zwei exzellente Assets für den unzufriedenen Center. Aber auch Lospech in den folgenden Jahren, ein eher schlechter Jahrgang bei ihrem höchsten Draftpick (Pick 2 2013, immerhin Oladipo statt Anthony Bennett) und auch Management-Entscheidungen verstärkten diese Situation.

Noch dazu ist nicht ganz klar, wie die Spieler wirklich zusammenpassen und welche Rollen sie optimal bekleiden. Ein konkretes Problem ist der Distanzwurf, den mit Fournier nur einer der Rotationsspieler überdurchschnittlich trifft. Alle anderen Guards und Wings stehen bei maximal 35% – die zwar für Payton und Oladipo einen Fortschritt zu vergangenen Jahren darstellen, bei Payton aber auf einer sehr geringen Anzahl basieren (nur 0,4 3PM pro Spiel). Auch waren vor dem Harris-Trade die Rollen von Gordon, Oladipo und Hezonja streckenweise klar zu klein, um auf eine Weiterentwicklung hoffen zu können. Seit der Deadline hat sich die Situation etwas verbessert, trotzdem müssen sich die Magic Fragen zum Player Development ihrer Top 5-Picks gefallen lassen. Immerhin konnte Gordon durch den Dunk Contest wieder etwas Selbstvertrauen und Tradewert dazugewinnen…

Es fällt daher schwer, für Orlando einen langsamen und risikoarmen Weg in die Playoffs vorzuschlagen. Der Osten war zwar in den letzten Jahren so inkonstant, dass fast alle Teams zumindest einmal Playoff-Luft atmen durften, aber seit diesem Jahr zeigen einige Teams wie Celtics, Hornets und Pistons eine klare Weiterentwicklung. Ohne überzeugende Free Agency-Verpflichtung, wie es der von Marc Petri angesprochene Paul Millsap hätte sein können, haben die Magic keine vergleichbare Perspektive. Wenn aber, wie diesen Sommer, fast alle Franchises Cap Space haben, fehlen einem Lottery-Team wie Orlando vermutlich die Argumente für die besten Free Agents. Angesichts des in der Tiefe gut besetzten Rosters profitieren die Magic andererseits kaum von mittelmäßigen Verpflichtungen – allzu große Hoffnungen auf die Free Agency sollte man sich also nicht machen.

Diese tristen Aussichten können vermutlich nur mit einem größeren Trade wirklich geändert werden. Die Magic könnten entweder mit Blick auf die Playoffs ihre Assets mit Potential – in erster Linie der Pick 2016, Hezonja und Gordon – oder in Vucevic den ältesten Starter auf den Trade Block setzten. Vucevic hat mit einer eher enttäuschenden Saison (nur 52,7% TS) seinen Tradewert sicher nicht gesteigert und ist als Spielertyp weniger gefragt. Andererseits spricht der brauchbare Vertrag mit unter 13 Millionen jährlich bis 2018/19 dafür, dass sich durchaus Interessenten finden sollten. Spieler auf Rookie-Verträgen sind finanziell für andere Teams noch attraktiver, so dass Hennigan andere GMs relativ einfach ans Telefon bekommen dürfte. Das ist auch extrem wichtig, weil die Magic unbedingt eine Transaktion brauchen, die Talent konsolidiert – die Entwicklung für die folgende Saison sollte dafür in den Hintergrund treten. Sobald ein sinnvolles Angebot für mehrere Magic-Assets einschließlich der aktuellen Starter auf dem Tisch liegt, sollte das Management zuschlagen.

 

Julian Wolf: Die Orlando Magic sind wahrscheinlich eines der Teams mit der unklarsten Zukunft in der NBA. Irgendwie hat das Team eine Menge junger, vielversprechender Spieler, die jedoch nicht perfekt zusammenpassen und zudem nicht unbedingt Superstar-Potential haben. Die alles entscheidende Frage lautet also: Einreißen und neuaufbauen oder versuchen, in den nächsten Jahren irgendwie die Playoffs zu erreichen. Ich bin geneigt, mich der letzteren Sichtweise anzuschließen; zu langes zu schlecht sein tut einem Team einfach nicht gut. Scott Skiles ist mit seiner defensiven Ausrichtung schon mal der richtige Coach dafür. Außerdem darf man nicht vergessen: die Magic waren dieses Jahr lange gut im Playoff-Rennen mit dabei, bevor ihnen ein schwacher Januar zum Verhängnis wurde. Dieses Team braucht Konstanz und Stabilität viel eher als einen Rebuild. Daher sollte der Plan für diese Offseason lauten: einen Kern an Spielern identifizieren, mit denen man in die Zukunft gehen möchte und Spieler holen, die das Team voranbringen und in Scott Skiles System passen.

Für mich sind die drei Stützen dieses Teams Elfrid Payton, Aaron Gordon und Mario Hezonja. Alle drei sind athletisch, defensiv zu gebrauchen und haben noch ordentlich Potential nach oben. Payton besetzt die 1, Gordon je nach Matchup die 3 oder 4, Hezonja kann behutsam von der Bank aufgebaut werden. Alle anderen Spieler sollten zumindest auf dem Prüfstand stehen. Hinsichtlich Victor Oladipo kann ich die Meinung der Kollegen nicht ganz teilen: er braucht vorne den Ball in seinen Händen und hat keinen Wurf, passt also nicht wirklich neben Elfrid Payton. Diesem Team kann er eigentlich nur als Anführer der Second Unit helfen; ob er darauf Lust ist fraglich, außerdem ist er für eine solche Rolle eigentlich auch überqualifiziert. Bei der Wahl zwischen Payton und Oladipo würde ich mich für ersteren entscheiden und letzteren bei einem guten Angebot abgeben. Gleiches gilt auch für Brandon Jennings.

Die nächste schwierige Personalie ist Nic Vucevic; der Big Man ist kein schlechter, hat aber wie oben schon erwähnt keine gute Saison gespielt und passt wegen seiner Defensiv-Schwäche nicht perfekt ins Skiles System. Verscherbeln muss man ihn nicht, untouchable ist er aber auch nicht. Evan Fournier würde ich halten: sein Shooting und seine Scoring-Fähigkeiten kann das Team gut gebrauchen.

Somit hätte Orlando nächstes Jahr eine Starting-Five von Payton-Fournier-X-Gordon-Vucevic. Spieler X könnte ein Free Agent sein, die interne Alternative ist Hezonja. Das ist in meinen Augen ein solider Kern, der durchaus Playoff-Ambitionen im Osten haben kann; hinzu kommt ja auch noch ein Lottery-Pick in der Draft. Das große Problem ist für mich die Bank/die Rollenspieler: Jungs wie CJ Watson, Shabazz Napier oder Andrew Nicholson sind nicht wirklich das Gelbe vom Ei – hier muss in der Free Ageny nachgebessert werden! Massig Geld für Free Agents haben die Magic; (fast) alle anderen Teams allerdings auch. Ich könnte mir vorstellen, dass die Magic potentielle Free Agents mit Geld förmlich überschütten und überbezahlen, um am Ende nicht mit leeren Händen da zu stehen. Sie sollten auf jeden Fall versuchen, Spieler der Kategorie Chandler Parsons/Bradley Beal mit Maximalverträgen zu locken. Ob einer davon in Orlando aufschlägt, ist allerdings zweifelhaft. Zumindest einige brauchbare Rollenspieler müssen nach Orlando kommen.

Bleibt die Frage, wohin diese Strategie mittelfristig führt: der große Sprung an die Spitze der Conference ist mit diesem Kern wohl nicht drin. Dafür könnten die Magic dank einiger interessanter Assets auf dem Trade-Markt aktiv werden. Mein Vorbild in dieser Sache wären die Charlotte Hornets: auch die haben es mit defensiver Ausrichtung und ohne echten Superstar mit einigen smarten Moves zum Playoff-Team geschafft.

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2 comments

  1. Sebastian Hansen

    Marc, warum findest du, dass Hezonja keine große Rolle in den Planungen spielen sollte? Ist das nicht etwas früh abgeschenkt?

  2. Marc Petri

    |Author

    Ich wollte damit nicht aussagen, dass er überhaupt keine Rolle spielt, sondern zumindest auf sportlicher Ebene vorerst nicht die erste Geige spielen wird. Das macht ihn meiner Meinung nach sogar zu einem potentiellen Trade-Asset (eventuell in einem Paket mit Vucevic und diversen Picks).

    Im kompletten Umfeld der Magic deutet aktuell so ziemlich alles darauf hin, dass man in der nächsten Saison einen (auf sportlicher Ebene) großen Sprung erwarten kann bzw. das dieser erwartet wird. Ein Mario Hezonja wird auch nächste Saison keinen großen Anteil dazu beisteuern können (seine bisherigen Leistungen und die zu erwartende Entwicklung von Spielern in seinem Alter lassen dies vermuten). Zumindest wird er in der kommenden Saison kein besserer Spieler sein als Victor Oladipo und Evan Fournier (wenn er denn gehalten wird – wovon ich ausgehe). Das ist für mich ausgeschlossen, gerade weil diese beiden in einem Alter sind, in dem Spieler für gewöhnlich den größten Leistungssprung machen. Je nachdem wie potentielle Trades und Free Agent-Verpflichtungen aussehen ist sehr gut möglich, dass Mario Hezonja in der kommenden Spielzeit eher weniger Minuten sehen wird als aktuell. Für mich ist dieses Szenario sogar sehr realistisch.

    Long-term könnte er natürlich eine große Rolle spielen, mit Hinsicht auf die nächste Saison ziemlich sicher nicht.


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