3-on-1 Fastbreak, Milwaukee Bucks, NBA

What’s next for the Milwaukee Bucks

3-on-1 Fastbreak #8

Die Milwaukee Bucks sind eine der Enttäuschungen der Saison, wenn man zugrunde legt, was NBA-Experten und Buchmacher für das Team aus Wisconsin anlegten: Ein klarer Playoffteilnehmer wurde gesehen, der letztlich auf Platz 6 einlaufen sollte, nachdem das Team im Vorjahr schon so überrascht hatte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar, dass die Bucks die Playoffs verpassen werden. Milwaukee hatte neben der Kaderzusammenstellung auch Verletzungsprobleme und kam nie in einen richtigen Rhythmus, um den in der Breite besser aufgestellten Osten ernsthaft zu attackieren.
Was sollte die Franchise aus Wisconsin nun in der Offseason anstreben?

Dennis Spillmann: Im Gegensatz zur Mehrheit hatten wir zu Beginn der Saison in unserem Podcast bereits eklatante Lücken im Kader angesprochen, die für uns klar darauf hindeuteten, dass Milwaukee in dieser Saison extreme Probleme kriegen könnte. Kaum Spacing in der angedachten Starting Lineup Carter-Williams – Middleton – Anteteokounmpo – Parker – Monroe; kaum Defense, wenn Spacing-Optionen wie Bayless, Mayo oder Copeland das Spielfeld betreten.

Das Konstrukt in Milwaukee ist gescheitert und muss von Grund auf neu überdacht werden. In einer Liga, die immer mehr davon lebt, dass Räume entstehen, kann kein Team mit vier kompletten Non-Shootern in der Starting Five auflaufen. Für Milwaukee stellt sich nun die Frage, um wen es aufbauen soll und wen man veräußern muss. Die beiden ersten Kandidaten müssten eigentlich Michael Carter-Williams und Greg Monroe sein.

Carter-Williams wird aufgrund der Entwicklung Giannis’ zu einem Spielmacher vollkommen obsolet. Lediglich die gute Länge spricht noch für Carter-Williams, um eine möglichst große Defensiv-Unit aufs Feld zu stellen. Wenn er durch Antetokounmpos Entwicklung gar zu einem Off-ball-Spieler gemacht werden sollte, wird er jeglichen Wert für das Team verlieren.

Bei Greg Monroe ist die Einschätzung des Werts schwer zu bewerkstelligen. Monroe ist weiterhin eine gute Low-Post-Option und fungiert als effizientester Scorer im Team. Coach Kidd hat aber auch erkannt, dass Moose eigentlich nicht als Center auflaufen kann, weil es ihm an lateraler Geschwindigkeit und Ringbeschützerfähigkeiten fehlt – etwas, was zwingend von Nöten ist. Überlegungen, Monroe deshalb vielleicht auf der Vier zu verstecken, kollidieren mit der Konstruktion des Teams um Antetokounmpo und Parker: Es fehlt die Spielzeit.

Aber selbst, wenn man MCW und Monroe abgäbe, muss das Team mit Spielern ergänzt werden, die schwer zu realisieren wären, auch weil man mit zwei Non-Shootern fest plant (Giannis und Parker haben nach dem Allstar-Break zusammen vier Dreier getroffen). Eigentlich bräuchte man als Idealergänzung einen dreierwerfenden Ringbeschützer, den es in der ganzen Liga vielleicht zwei oder drei Mal gibt. Dazu kommt, dass man überlegen sollte, ob die Zukunft Antetokounmpos nicht vielleicht doch eher auf der Vier zu finden ist. Jabari Parkers Defense wird weiterhin ein Problem darstellen; was Parker offensiv wirklich leisten kann, ist nach seiner quasi-Rookie-Saison noch immer nicht abzuschätzen. Sollten die Bucks wirklich auch unumstößlich an Parker festhalten? Ist er ein Cornerstone für Milwaukee?

Milwaukees Zukunft ist noch immer nebulös, weil sich die geforderten Maßnahmen schwieriger umsetzen lassen, als es den Anschein hat (was ist ein adäquater Gegenwert zu Carter-Williams und Monroe? Wer kann Monroe zu dem Preis gebrauchen? Wer will Carter-Williams nach dem nächsten Jahr bezahlen?), und es fraglich ist, wie man der Fanbase einen abermaligen kompletten Umbau nach dem letzten Jahr, wo man Knight, Pachulia, Dudley und Ilyasova gehen ließ, verkaufen will. Aus rationaler und spielerischer Sicht muss man sich zwingend von Carter-Williams und Monroe trennen, aber man müsste spielerisch kompatiblere Spieler zurückerhalten oder signen können. In einem Markt wie Milwaukee ist dies ungleich schwerer zu bewerkstelligen. Deshalb ist es auch schwer, zu prognostizieren, ob der rationale Weg der richtige für Milwaukee ist, weil er – mit zu wenig Gegenwert in den Trades – bedeuten könnte, dass das Team in den nächsten Jahren wieder nicht die Playoffs erreichen wird, was  zumindest immer gegen die Devise Herb Kohls sprach. Wie Edens und Lasry sich positionieren, ist noch unklar.

 

 

Julian Wolf: Die Saison der Milwaukee Bucks war eine Enttäuschung, klar! Aber die Zukunft der Franchise sieht in meinen Augen immer noch rosig aus, denn die Bucks haben das, was alle Teams haben wollen: (kommende) Superstars. Für mich zählen sowohl Giannis Antetokounmpo als auch Jabari Parker in diese Kategorie. Der „Greek Freak“ legt seit seiner Versetzung auf Point Guard 20 Punkte, 8 Rebounds und 8 Assists auf, steigerte seine Zahlen bisher von Jahr zu Jahr und hat eigentlich unbegrenztes Potential nach oben. Parker ist einer der Spieler, dem ich nächstes Jahr eine Breakout-Season zutraue. Man darf nicht vergessen, dass er erst in seiner Sophomore-Saison ist und von einer langen Verletzung zurückkommt. Im Februar/März legte er bereits 17 Punkte und 6 Rebounds pro Spiel auf, bei 50% aus dem Feld.

In meinen Augen haben die Bucks zwei Probleme: Shooting (Platz 30 bei den 3FGA) und die Frage, was die Identität des Teams ist. Gerade diese Saison probierte Jason Kidd unheimlich viel aus und wechselte Rotation und Spielerrollen. Die Frage nach der Identität muss zur nächsten Saison definitiv beantwortet werden und die Antwort sollte lauten: schneller Basketball aus einer aggressiven Defensive. Was viele vergessen: auch in der starken letzten Saison war Milwaukee offensiv mies – dafür stellte man damals die 4.beste Defense der Liga! Diese defensive Dominanz (aggressive Traps und viele variable Verteidiger) muss Milwaukee zurückgewinnen. Außerdem sind gerade die Stars wie geschaffen für den Fastbreak. Mit einem schnelleren Spielsystem würden auch die Probleme im Setplay weniger stark ins Gewicht fallen.

Was bedeutet das konkret? Antetokounmpo sollte im Angriff die Rolle als 1. Ballhandler übernehmen, Parker auf der 4 auflaufen. Ersterer zeigt seit seiner Versetzung als “Point Forward” große Klasse, Letzterer kann dort seine Schnelligkeit und Athletik gegen langsamere Power Forwards am besten ausnutzen. Angenehmer Nebeneffekt: auf dem Flügel wird so ein Platz für einen weiteren Schützen frei, der sich defensiv um den gegnerischen Einser kümmern kann. Der Kern des Teams aus Antetokounmpo-Middleton-Parker steht also und sollte die Positionen 1 (Point Forward), 3 und 4 besetzen. Auf dem Flügel muss neben diesen drei eigentlich zwingend ein guter Schütze auflaufen, am besten ein defensiv versierter – solche Spieler jagt allerdings die ganze Liga und bei ansteigendem Salary-Cap sind diese auch nicht billig zu haben. Gut möglich also, dass man auf eine Notlösung aus dem eigenen Kader zurückgreifen muss (OJ Mayo, Jerryd Bayless). Neben Parker muss eigentlich zwingend ein Ringbeschützer auflaufen; zur Not könnten John Henson oder Miles Plumlee diese Rolle übernehmen, aber die Bucks sollten zumindest versuchen, im Rennen um die dicken Fische (Dwight Howard, Hassan Whiteside) auf dem Free-Agent-Markt dabei zu sein.

 

Bleiben die Rollen-/Bankspieler: Jerryd Bayless, OJ Mayo und Greivis Vazquez werden Free Agents. Ich würde versuchen, mindestens zwei davon zu halten – die Shooter, die man hat, sollte man nicht noch abgeben. Mayo und Vazquez haben weite Teile der Saison verpasst, vielleicht kann man diese für einen schmalen Betrag halten; gerade Mayo (8,0mio.) darf nur zu deutlich verringerten Bezügen verlängern. Ansonsten hat man in Rookie Rashad Vaughn, John Henson, Miles Plumlee, Tyler Ennis ordentliches Kader-Füllmaterial. Dazu kommt noch ein weiterer Lottery-Pick und zwei Zweitrunden-Picks.

Schlussendlich wären da noch zwei Sorgenkinder: Michael Carter-Williams und Greg Monroe. Beide passen nicht in das System, das ich die Bucks in Zukunft spielen sehe; Carter-Williams wegen seines miesen Wurfs, Monroe wegen seiner fehlenden Qualitäten als Ringbeschützer und im Fastbreak. Bei guten Angeboten dürfen die beiden gehen. Da der Tradewert der beiden im Sommer allerdings auf dem Tiefpunkt sein dürfte, würde ich die beiden zunächst behalten. Von der Bank könnten die beiden durchaus wichtige Rollen spielen: Carter-Williams dank seiner Länge in der Defensive (er sollte halt nicht gemeinsam mit Antetokounmpo und Parker auf dem Feld stehen), Monroe dank seiner Scoring-Qualitäten im Post. Zur Trading-Deadline sollten beide dann jedoch verschwinden – besonders Monroe ist auf Dauer zu teuer für einen Bankspieler.

Insgesamt sehe ich die Situation der Bucks also längst nicht so kritisch, wie es die schlechte Saison vermuten lässt. Gerade Jason Kidd traue ich es zu, die Problemzonen im Kader kreativ zu stopfen, wie etwa mit der Versetzung Antetokounmpos auf Point Guard. Dann ist Milwaukee nur ein oder zwei geschickte Additionen davon entfernt, nächste Jahr wieder voll ins Play-Off Rennen einzugreifen.

 

Julian Lage: So negativ die Saison für die Bucks gelaufen ist, immerhin bei zwei Spielern ist die Entwicklung klar positiv: Giannis Antetokounmpo und Khris Middleton haben den nächsten Schritt gemacht. Letzterer konnte seine Effizienz trotz erhöhtem Scoring-Volumen (18,1 statt 13,4 PPG) halten und trifft vor allem aus der Distanz exzellent (40% bei 4,7 Versuchen pro Spiel). Antetokounmpo zeigte die anfangs belächelten Point Forward-Fähigkeiten und ein praktisch jeder Hinsicht verbessertes Allround-Game – nur der Distanzwurf fällt entgegen des Eindrucks der EM und einer brauchbaren Quote bei wenigen Versuchen zu Saisonbeginn nicht.

An diesem Punkt enden die positiven Nachrichten weitgehend. Vor allem für das Personal abseits des Parketts kann man das vergangene Jahr seit der Trade Deadline 2015 nur als desaströs bezeichnen: GM John Hammond verpflichtete für wertvolle Assets unpassende Spieler wie Carter-Williams und Greivis Vasquez. Head Coach Jason Kidd stimmte den Entscheidungen wohl zu, konnte aber nie eine wirklich funktionierende Rotation finden. Während Kidd nach dem Turnaround in Brooklyn 2014 und dem überraschenden Playoffeinzug in Milwaukee bisher weitgehend überzeugte, stellt diese Saison so etwas wie die Entzauberung dar. Dass er und sein Interims-Vertreter Joe Prutney beispielweise die Lineup MCW-Middleton-Giannis-Parker-Monroe über Monate starten ließen, obwohl Kidd die Kombination als unspielbar bezeichnet hatte, wirft weitere Fragen auf. Vielleicht sollte die erste Neuerung an dieser Stelle erfolgen, wobei Kidd nicht nur durch seinen längeren Ausfall die besseren Argumente aufweist als der unter Herb Kohl über Jahre glücklos agierende Hammond.

Aber auch Kidd muss sich die Frage gefallen lassen, ob er als Coach nicht – im aktuell häufiger genutzten Jargon – ein ‚one-trick-pony‘ ist. Die Ähnlichkeiten seiner Playoff-Teams bei Nets und Bucks sind unverkennbar: In Paul Pierce und Jared Dudley spielten jeweils als nominelle Power Forward eingesetzte Wings mit Wurf eine größere Rolle. Auch die Defensivschemata, unter anderem mit mehreren großen Point Guards und generell sehr beweglichen Spielern, weisen Gemeinsamkeiten auf.

Die gute Nachricht: Viel davon ließe sich bei den Bucks reproduzieren, wenn man den Fokus auf Antetokounmpo und Middleton legt. Antetokounmpo ist der Traum jedes Small Ball-Fans, da er mit dem Ballhandling eines Guards ausgestattet sogar als nomineller Center auflaufen könnte. Zumindest von der Größe her (6-11) entfiele sogar das ‚undersized‘-Label. Auch Middleton ist mit 6-8 und offiziell 234 Pfund größer und schwerer als etwa Dudley. Mit John Henson und Restricted Free Agent Miles Plumlee stünden zudem zwei passend Bigs zur Verfügung – nur der Rest des Rosters scheint eher weniger geeignet. Bayless als Rollenspieler mit wiedergefundenem Wurf (knapp 44% 3P diese Saison) bildet noch die Ausnahme, ist aber sicher kein zentraler Baustein. Allenfalls die beiden lange verletzten und in keiner Weise überzeugenden Mayo und Vasquez wären ansonsten als Spielertypen in einem solchen System gut aufgehoben. Carter-Williams wäre noch zu erwägen, wenn die meisten anderen Non-Shooter aus seinen Lineups fliegen – und wie von Julian Wolf bereits erwähnt, ist MCWs Tradewert so weit im Keller, dass die Bucks praktisch weiter auf ihn setzen müssen. Greg Monroe ist ohnehin nur noch für ein weiteres Jahr (plus Spieleroption) fest gebunden, so dass er in den Langzeitplänen keine größere Rolle spielen sollte. Seine individuell weiterhin überzeugenden Statistiken könnten einen Trade ermöglichen, vielleicht lässt sich jedoch bei passenderen Mitspielern das System auf ihn anpassen.

Der Schlüssel für die Bucks ist daher Jabari Parker. Seine Zahlen in der laufenden Saison sind immerhin gut genug, um weiterhin Potential erkennen zu können. Gleichzeitig ist er aber, wie Dennis Spillmann bereits erwähnt hat, aufgrund seiner Schwächen in Defense und Wurf nicht mehr unbedingt unantastbar. Trotz des enormen Talents der beiden Spieler ist vor allem die Kombination Antetokounmpo-Parker schwer vorstellbar. Der optimale Mitspieler für Antetokounmpo hat ein Parker entgegengesetztes Skillset, wie etwa Middleton. Aus diesen Gründen sehe ich einen Parker-Trade als absolut naheliegend: Sein Wert sollte noch hoch genug sein, um einen überdurchschnittlichen Wing mit Wurf zurück nach Milwaukee zu bringen. Wenn die Bucks in der Free Agency einen der passenden Combo-Guards auf Borderline-Starter-Niveau verpflichten können (beispielweise Matthew Dellavedova, Jeremy Lin oder Mario Chalmers), würde sich die Team-Balance sofort in die richtige Richtung bewegen. Aus Mangel an Alternativen ist dafür aber vermutlich ein so radikaler Schnitt notwendig.

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