3-on-1 Fastbreak, Denver Nuggets, NBA

What’s next for the Denver Nuggets?

3-on-1 Fastbreak #7

Während andere Teams noch um die letzten Playoffplätze oder eine bessere Platzierung kämpfen, ist für einige Franchises die Saison praktisch schon vorbei: Wer jetzt zwischen etwa 25 und 35 Siegen steht, kann höchstens noch auf eine bessere Draftposition hoffen. Das macht die Teams allerdings nicht uninteressant, denn so kann der Blick schon auf die nächsten Jahre gerichtet werden. Aus diesem Grund fragen wir uns in den nächsten Ausgaben des 3-on-1 Fastbreaks ‚what’s next?‘ und durchleuchten die Situation einiger interessanter Franchises aus dem Niemandsland der Liga.

Den Anfang machen die Denver Nuggets, die das Niemandsland in den letzten Jahren abonniert hatten. Seit der Entlassung von George Karl und dem Weggang Masai Ujiris nach dem enttäuschenden Erstrundenaus gegen die Warriors 2013, dümpelt das Team um Danilo Gallinari, Kenneth Faried und Wilson Chandler im Bereich von gut 30 Siegen. Nachdem in diesem Zeitraum in erster Linie Verletzungs- und Off-Court-Probleme – etwa bei JaVale McGee oder Ty Lawson – das Bild der Nuggets prägten, rückten ab 2015 junge Spieler in den Mittelpunkt. Neben den Rookies Emmanuel Mudiay (7. Pick 2015) und Nikola Jokic (41. Pick 2014, blieb noch ein Jahr in Europa) zeigten auch Jusuf Nurkic, Gary Harris und MIP-Kandidat Will Barton ihr Potential. Umso mehr stellt sich die Frage, wie es in Denver weitergeht: Werden die älteren Starter um Gallinari gehalten und wieder die Playoffs anvisiert, oder kommt die weitere Verjüngung und somit die Chance auf bessere Lottery-Picks?

 

Julian Lage: Wie man die derzeitige Situation der Nuggets beurteilt, hängt wohl stark von Nikola Jokic ab. Der 21-Jährige Serbe ist einer der Geheimtipps der aktuellen Rookie-Class, was bei einem ORtg von 117, etwa 37% von der Dreipunktlinie und einem RPM-Wert in der Liga-Top 10 (auf dem Niveau von Durant und Cousins!) nicht unberechtigt ist. Angesichts der enttäuschenden Zahlen Emanuel Mudiays – ORtg von 87 (!), 31% 3P – braucht Denver diesen Hoffnungsschimmer auch. Das Problem: Zumindest bisher ist Jokic eben nicht viel mehr als ein Geheimtipp. In etwa 20MPG als derzeit siebtbester Scorer seines Teams 10,1 PPG aufzulegen ist nicht mit den Leistungen von Rookies wie Karl-Anthony Towns vergleichbar, der von Anfang an zumindest die 1b-Option der Wolves war. Das heißt nicht, dass Jokic überschätzt wäre und langfristig nicht in eine größere Rolle hineinwachsen kann. Die kleine Rolle des Centers in Kombination mit Mudiays Problemen bedeutet jedoch, dass die Nuggets ihren Rebuild keinesfalls überstürzen sollten wie etwa die Pelicans nach Anthony Davis‘ Rookie-Saison.

Der meiner Meinung nach richtige Plan für die Nuggets-Offseason ist daher: Jeder Spieler über 22 gehört auf den Trade Block. Neben den teuren Spielern in ihrer Prime – Danilo Gallinari, Wilson Chandler und Kenneth Faried – schließt das auch Will Barton ein, der mit 25 Jahren eine Breakout-Saison spielt. Auch er passt nicht wirklich in die zu erwartende Entwicklung der jüngeren Spieler, weil sein Wert in erster Linie aus dem teamfreundlichen 3-Jahres Vertrag über nur gut 10 Millionen Dollar resultiert. Solange Jokic und Co. nicht bereit für den nächsten Schritt sind, würden die älteren Spieler aber praktisch nur den Draftpick verschlechtern. Stattdessen sollte GM Tim Connelly nach Saisonende den Markt sondieren: Für Barton und Gallinari dürften sich im Sommer problemlos Interessenten finden. Für den langzeitverletzten Chandler und den als Spielertyp weniger attraktiven Faried ist das vermutlich schwieriger, durch den steigenden Cap Space könnten sich allerdings auch hier Chancen ergeben. Auch wenn die Nuggets nicht in der Situation sind, Trades erzwingen zu müssen – sobald ein sinnvoller Gegenwert geboten wird, sollten sie zuschlagen.

Dieser Sommer ist ein guter Zeitpunkt für diesen Richtungswechsel, den in der laufenden Saison fanden sich noch Argumente für eine fortgesetzte Übergangsphase. Zum einen halten die Nuggets immer noch das Recht auf einen Pick Swap mit den Knicks, das sie im Carmelo Anthony-Trade erhielten. Angesichts der miesen Bilanz der New Yorker in der letzten Saison erschien es naheliegend, auf diese Chance zu bauen. Hätten Denver alle Veteranen abgegeben und eine schlechtere Bilanz als die Knicks erzielt, wäre das Tausch-Recht einfach verfallen. Außerdem fand das Management eine selten genutzte Möglichkeit, das Jahr zu nutzen: Sie verhandelten mit Chandler und Gallinari bereits laufende Verträge neu. Beide Spieler erhielten schon diese Saison mehr Geld, bleiben aber damit langfristig unter Kontrolle der Nuggets. Unter den aktuellen finanziellen Bedingungen des stark steigenden Caps ist das tendenziell positiv für die Teams, die Verletzungsanfälligkeit der beiden Wings bedeutet jedoch auch Risiken. Chandler verpasst die gesamte Saison, Gallinari zumindest einige Wochen. Das erschwert Tradeverhandlungen im kommenden Sommer, denn viele potentielle Abnehmer würden Chandler vermutlich erst wieder auf dem Platz sehen wollen. Die Nachverhandlungen und die Besonderheiten des Pick Swaps ließen trotzdem eine klare Linie erkennen, falls die Nuggets im Sommer tatsächlich mehrere Veteranen abgeben. Mit Jokic, Nurkic, Mudiay und Harris stünden ausreichend Spieler bereit, um mit weiteren Picks einen Aufwärtstrend einzuleiten – statt sich weiter an vage Playoffhoffnungen zu klammern.

Sebastian Hansen: Die derzeitige Situation der Denver Nuggets ist sicherlich eine der interessantesten der NBA. Das Team von Coach Mike Malone besitzt ein riesiges Sammelsurium von jungen Spielern, gestandenen Veteranen und Firstround-Draftpicks. In der Western Conference liegen die Nuggets zurzeit mit fünf Spielen Rückstand auf die Playoffs auf Platz 10. Ein klassischer Mittelfeldplatz also, der Bereich, in dem sich keine NBA-Franchise gerne aufhält. Die Verantwortlichen müssen sich also Gedanken machen, wie sie von dort wegkommen. Natürlich könnte dabei ein oder auch zwei Jahre Tanking eine Option sein. Es klingt verlockend, Spieler wie Gallinari oder Chandler gegen noch mehr Assets einzutauschen und einen hohen Pick abzustauben. Doch meiner Meinung nach ist das in diesem Fall genau die falsche Richtung. Der klassische Punkt, ein Team abzureißen, besteht entweder dann, wenn es seinen Superstar verloren hat oder aber wenn ein Team, das nur aus Veteranen ohne Zukunft besteht schon seit Jahren kaum (mehr) Erfolg hat. Beides ist hier nicht der Fall. Klar, die Nuggets haben Veteranen, klar die Nuggets haben seit längerem nichts mehr gewonnen. Aber die Nuggets haben auch: viele junge, vielversprechende Spieler mit Potential und einen ganzen Strauß fremder Draftrechte, mit dem sich dieser Kern noch ergänzen lässt. Es wäre natürlich günstig, würde man einen Superstar dazu bekommen – aber Superstars gibt es meistens unter den ersten drei bis fünf Picks. Um dahin zu kommen, werden sich die Nuggets, selbst wenn sie alle Veteranen abgeben, sehr strecken müssen, da auch die jungen Spieler schon Leistung bringen. Warum also tanken, wenn die Belohnung am Ende ein Pick der Range 6-10 ist? Hier spielt noch ein zweiter Aspekt mit: im nächsten Jahr könnte es so einfach wie schon seit Längerem nicht mehr sein, im Westen in die Playoffs zu kommen. In Houston, Memphis, Oklahoma City, Dallas und Los Angeles ist unklar, wie es nach dem Sommer weitergeht, ob alle Stars bleiben oder ob die Teams sogar komplett abgerissen werden. Ein junges, aufstrebendes, aber doch mit Veteranen ausgestattetes Team wie die Denver Nuggets könnten von dieser Entwicklung profitieren. 

Bei all diesen Überlegungen ist jedoch eins klar: Veränderungen sind in jedem Fall notwendig. Das Team weist nämlich in seiner Zusammensetzung einige Unwuchten auf. Die Probleme beginnen auf der Spielmacher-Position. Hier spielt der völlig unerfahrene Emmanuel Mudiay eine Katastrophensaison historischen Ausmaßes. Mehr als 10 FGA pro Spiel und ein ORtg von 87 oder schlechter, das schafften vor ihm nur 13 weitere Spieler. Die Verantwortung, die Mudiay bekommt, ist zurzeit definitiv zu groß. Es wäre sinnvoll, ihm via Trade oder Free Agency einen erfahrenen, spielstarken Partner zur Seite zu stellen, von dem er lernen kann, der aber gleichzeitig auch das Spiel der Nuggets in geordnetere Bahnen lenkt als Mudiay das bisher konnte.  Auf dem Flügel ist Denver dagegen mit den bereits erwähnten Barton, Gallinari, Chandler und Gary Harris gut und ausgeglichen besetzt. Im Frontcourt tummeln sich viele Talente (Jokic, Nurkic, Lauvergne), Veterans (Darrell Arthur) und Kenneth Faried. Besonders die Situation des Letztgenannten scheint das Team zuletzt zu belasten. Immer wieder gab es Tradegerüchte und auch sonst hat Faried seine Rolle im Team bisher nicht wirklich gefunden, vor allem aus dem Grund, dass er kaum herausstechende Stärken hat. Ein Trade würde für beide Seiten Sinn ergeben. Das Ziel der Nuggets könnte dabei entweder der benötigte Point Guard sein oder aber ein defensivstarker Bigman, der den jungen Spielern Halt geben kann. Welcher Name im Juli auf dem Markt sein wird, wird sich zeigen, jetzt schon zu spekulieren wird kaum etwas bringen. Die letzte Baustelle des Teams betrifft die Draft. Neben dem eigenen Pick, den man mit demjenigen der New York Knicks tauschen kann, wird GM Tim Connelly wahrscheinlich auch noch die Auswahlrechte der Houston Rockets und der Portland Trailblazers erhalten. Das bedeutet, dass er einen Pick im Bereich 8-12 und zwei weitere um die Position 20 herum haben wird. Dem eh schon breiten Kader drei weitere Rookies hinzuzufügen erscheint nicht wirklich sinnvoll. Ein Teil der Draftrechte könnte somit in einem Trade Farieds genutzt werden. Oder aber Connelly kombiniert alle drei Picks, um sich im Draft nach oben zu traden und schlussendlich ein attraktiveres Talent zu erhalten. 

Insgesamt sollten die Nuggets also einen abgespeckten Retool anstreben. Das Team größtenteils zusammenhalten, sich entwickeln lassen, Unwuchten beseitigen und das bestehende Gerüst sinnvoll ergänzen. Als Belohnung für die Geduld winken die Playoffs. Wenn nicht schon 2017, dann doch spätestens im Jahr danach. 

 

Marc Petri: Der schlechte Start von Emmanuel Mudiay kam sicherlich nicht überraschend. Zur Erinnerung: Er entschied sich im Sommer 2014 gegen eine Saison auf dem College und wechselte stattdessen zu den Guangdong Southern Tigers nach China, konnte dort aber wegen einer Knöchelverletzung nur zwölf Spiele absolvieren. Die Folge: Wegen mangelnder Spielpraxis und wohl auch wegen der fehlenden Ausbildung spielte er bisher eine enttäuschende Rookie-Spielzeit. Trotz allem ist seit dem All-Star-Break ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen. Während er es in seinen ersten Monaten in der NBA schaffte, ein desaströses TrueShooting von knapp 40 Prozent auf das Parkett zu legen, konnte er diesen Wert in der Folge auf immerhin 42.8 Prozent steigern. Das entspricht einem Wert von 46.9 Prozent in den letzten Wochen. In den 20 Spielen seit dem Break traf er beispielsweise 37.7 Prozent seiner Dreipunktversuche und 77.8 Prozent seiner Freiwürfe (vorher waren es 27.2 und 61.6 Prozent). Auch ein deutlich verbessertes NetRating von -4.2 auf -0.9 Punkten unterstreicht diese Entwicklung. Vielleicht also doch so etwas wie ein Hoffnungsschimmer für die Denver Nuggets? Man sollte und wird Emmanuel Mudiay in der kommenden Spielzeit weiterhin das volle Vertrauen aussprechen und darauf setzen, dass er sich weiterhin so entwickelt wie in den vergangenen Wochen, in denen er immerhin 14.3 Punkte pro Spiel erzielen konnte.

Wie schon von Julian und Sebastian angesprochen, besteht noch mehr Grund zu Hoffnung auf den großen Positionen, auf denen vor allem Rookie Nikola Jokic heraussticht. Über seine Leistungen wurde bereits viel geschrieben, es wird aber schnell vergessen, dass Jusuf Nurkic im vergangenen Jahr eine ähnlich gute Rookie-Saison spielte. Nachdem er, wegen einer Verletzung am linken Knie, die ersten 34 Spiele dieser Spielzeit verpasste und danach nur sehr behutsam aufgebaut wurde, bestand in dieser Saison kaum die Möglichkeit beide gemeinsam spielen zu lassen. Gerade mal 12 Minuten standen die beiden in dieser Spielzeit zusammen auf dem Court. Im Hinblick auf die kommende Saison wird spannend zu beobachten sein, wie beide im Zusammenspiel agieren. Können beide ihre Leistungen der jeweiligen Rookie-Saison bei gesteigerter Spielzeit bestätigen und lernt Jokic es, neben einem anderen Rim-Protector bis zum Perimeter zu verteidigen, hätten die Denver Nuggets eines der talentiertesten Frontcourt Duos der NBA in ihren Reihen.

Dies macht Kenneth Faried, über dessen sportlichen Wert bereits geschrieben wurde, entbehrlich. Wie Julian und Sebastian denke auch ich, dass man bei ihm einen Trade im Sommer anstreben sollte. Das Gesamtpaket aus Vertrag und spielerischem Talent sollte in der Liga allerdings nicht viele Interessenten hervorrufen, daher müsste man ihn wohl mit einem der drei Erstrunden-Picks, die man im Sommer zur Verfügung hat, oder gar Will Barton kombinieren. Barton hat in dieser Saison zwar einen großen Sprung gemacht und ist durch seinen moderaten Vertrag ligaweit einer der Spieler mit dem besten Preis/Leistungs-Verhältnis, aber seine Qualitäten sollten bei einem Team im Win-now-Modus noch mehr gefragt sein und könnten der Schlüssel dazu sein, für das Abladen von Farieds Vertrag noch ein Asset zu kassieren.

Danilo Gallinari dagegen sollte ein fester Bestandteil der Planungen für die kommende Saison sein. Nicht etwa weil sein Tradewert wegen seiner erneuten Verletzung im Keller ist, sondern weil er auf seiner Position einer der besseren Spieler in der Liga ist und mit seinen 27 Jahren das perfekte Alter hat, um den jungen Core der Nuggets anzuführen und einen Großteil der Scoring-Last übernehmen wird.

Alles in allem sollten die Denver Nuggets nicht viel an ihrem Weg ändern und in der kommenden Spielzeit nicht versuchen mit Gewalt in die Playoffs einzuziehen. Ein über-motiviertes Handeln in der Free Agency ist daher nicht zu erwarten und wäre kontraproduktiv für die weitere Entwicklung des Teams. Man wird auf Mudiay, Jokic, Nurkic und die diesjährigen Draftpicks setzen und ihre Entwicklung abwarten. Verläuft diese positiv, wäre der Sommer 2017 der richtige Zeitpunkt um den Schalter umzulegen. Ab dann wären auch Verpflichtungen von teuren Free Agents sinnvoll.

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