College, Gedanken

Der CBB-März 2016 ist Must-Watch-TV

Ausblick auf die March Madness 15/16

März – dieses Wort lässt das Herz eines jeden CBB-Fans in jedem Jahr automatisch höher schlagen. Letzte Liga-Spiele entscheiden über Regular Season-Titel, Conference-Turniere bestimmen über Einladungen zum Big Dance oder frühzeitige Ferien. Dazu wissen wir jetzt schon, dass das NCAA-Tournament wie immer mit einer gehörigen Portion Wahnsinn aufwarten wird. Doch in dieser Saison lohnt es sich für jeden Baketball-Fan aus verschiedenen Gründen noch einmal mehr sich der March Madness hinzugeben.

Collegebasketball ist ansehnlicher geworden

Im Sommer nahm die NCAA einige Regeländerungen vor. Unter der Maxime den Basketball zu beschleunigen, mehr auf Offensive auszurichten und dadurch ein besseres Produkt für die Zuschauer zu schaffen, wurden unter anderem die Shotclock verkürzt, der No-Charge-Kreis vergrößert sowie Time-Outs reduziert. Wir analysierten schon im August diese Anpassungen und kamen zu folgendem Urteil:

Natürlich müssen sich alle Anpassungen erst einmal auf dem Parkett beweisen. Dennoch ist stark davon auszugehen, dass wir in der kommenden Saison einen Collegebasketball sehen werden, der sicher ein, zwei Stufen sehenswerter als das Produkt der Vorsaison ist.

Nachdem nun rund 75% aller Spiele absolviert sind und die neuen Regelungen somit sowohl in Non-Conference- als auch in Conference-Umgebungen einem längeren Testlauf unterzogen wurden, lassen sich erste Rückschlüsse ziehen. Ein Blick auf die Zahlen beweist, dass die NCAA das erreicht hat, was sie wollte. Das durchschnittliche CBB-Spiel ist deutlich schneller geworden, ohne dabei an Qualität einzubüßen:

CBB Fixed

Fünf zusätzliche Possessions bedeuten eine ganze Handvoll Extra-Chancen auf spektakuläre Aktionen. Ob diese nun Zauberpässe, Wunderdribblings und Dunks ergeben oder in gelungener Pick’n’Roll-Verteidigung, erfolgreicher Man-to-Man-Defense oder einem Block enden, ist dabei egal. Der Zuschauer erhält mehr entscheidende Basketball—Plays. Dies sorgt für eine gehörige Portion zusätzlicher Unterhaltung. Die reale Zeit der Spiele hat sich durch die Anpassungen der Auszeiten-Regelungen dazu etwas verkürzt. Wir sehen also mehr bedeutungsvollen Sport in kürzerer Zeit – ein klarer Etappensieg für den CBB.

Das Player-of-the-Year-Rennen ist noch nicht entschieden

Vor einigen Wochen schien der Titel „Spieler des Jahres“ fest vergeben: Der überragende Senior-Wing Buddy Hield terrorisiert in dieser Spielzeit mit seinem herausragenden Wurf (kratzt am 50/50/90-Club bei 4,2 3PM und 4,8 FTM) und seinem Näschen für Scoring (25,4 PpG) die gesamte NCAA, während seine Oklahoma Sooners als klares Top 5-Team gelten. Zur imposanten Mischung aus individuellen Leistungen und Teamerfolg gesellte sich die einprägsamste Performance eines Einzelspielers dieses Jahres. Gegen Kansas schmiss Hield Anfang Januar sein Stephen Curry-Cape über und lieferte im wohl besten CBB-Spiel der Saison ungemein effiziente 46 Punkte inklusive acht Dreiern in einer Partie, die im nationalen Fernsehen gleich dreimal in die Verlängerung ging:

Der Gewinn des Awards schien nur noch Formsache zu sein. LSU-Forward Ben Simmons und Providence-Guard Kris Dunn hatten sich trotz Fabelstatistiken wegen mangelhaftem Teamerfolg mittlerweile aus der Konversation verabschiedet. Dem ärgsten Konkurrenten Michigan State-Senior Denzel Valentine (19,5 PpG / 7,5 RpG / 7,2 ApG / 3,4 3PM) wurden nach einer Verletzung inklusive Mid-Season-Operation kaum noch Chancen eingeräumt, da ihn diese vier Spiele aussetzen ließ und drei weitere Partien Wiedereingewöhnungszeit kostete. Doch nach einigen Sooners-Niederlagen und den gewohnten Februar/März-Fabelleistungen der Spartans scheint der Lieblings-Zögling von Tom Izzo doch noch nicht abgeschüttelt. Neben bärenstarken Spielen im Big Ten-Play liegt dies auch an seiner auf größter Bühne erbrachten Signature-Performance – ebenfalls gegen Kansas:

Beide Spieler agieren auf höchstem Niveau und werden ihre Teams auch in den Conference-Tournaments weit tragen können. Es wird sich erst in diesen ersten Post-Season-Spielen ein endgültiger Sieger des faszinierenden Fernduells abzeichnen können.

Spannendste Bubble-Watch seit Jahren

Die Wochen vor dem Selection Sunday sind für die Coaches von nur leicht überdurchschnittlichen Teams die unagenehmsten des Jahres. Es ist noch unklar, ob die bisher errungenen Siege gut genug waren, um eine Einladung für das NCAA-Tournament zu rechtfertigen oder die unnötigen Niederlagen auf dem Resumee eher für einen Trip zum NIT sorgen werden. Jede noch ausstehende Partie scheint doppelt zu zählen, wenn das Selection Committee von der eigenen Qualität noch überzeugt werden muss. Dies bedeutet bei Siegen intensive Glücksgefühle oder bei Niederlagen eine immer größer werden Angst bis hin zum Platzen der Blase, die den Namen Tourney-Hoffnung trägt.

Einzelne Teams und ihre Situationen möchte ich an dieser Stelle nicht auseinandernehmen. Dies wurde hier schon vom Kollegen Axel Babst getan. Allerdings kann aus Big-Picture-Sicht angefügt werden, dass, wie man in CBB-Kreisen sagt, die Bubble schon lange nicht mehr so „soft“ war. Zu diesem Saisonzeitpunkt bangen normalerweise rund 20 Teams um rund 15 noch zu vergebene Plätze für das Tournament. 2015/16 sind aktuell eher noch 25-30 Mannschaften im Rennen, da die Anforderungen für den diesjährigen Big Dance vergleichsweise niedrig liegen. Dies liegt vor allem daran, dass mit SMU und Louisville zwei sichere Teilnehmer wegen Postseason-Bans wegfallen werden. Das bedeutet nicht nur, dass am Selection Sunday ein Päarchen von Teams nachrückt, das normalerweise keine Chance auf eine Teilnahme gehabt hätte. Einem ganz neuen Cluster an Colleges können plötzlich neue Chancen eingeräumt werden. Als Folge korrigieren sich die Leistungsanforderungen an alle Basketball-Programme nach unten und lässt Tournament-Träume der einzelnen Programme etwas später platzen. Für Coaches verlängert sich der potentielle Leidesweg, für Fans entsteht durch zusätzliche Fünkchen Hoffnung etwas mehr Spannung.

Top-Favoriten für die Meisterschaft? Fehlanzeige!

Den CBB-Champ vorherzusagen ist nie einfach. In einem Single-Elimination-Tournament braucht es letztlich neben guten Spielern immer auch ein wenig Glück, was Matchups, Tagesform und Gesundheit angeht. Wer kann sich nach ihren bisher gezeigten Rookie-Leistungen sonst erklären, dass edas letztjährige Kentucky-Team um Cauley-Stein/Towns/Booker/Lyles gegen die Combo Kaminsky/Dekker verloren haben soll? Allerdings lässt sich Anfang März der Kreis der Contender normalerweise auf wenige Teams einschränken. In der NBA würde jeder potentielle Meister 2015/16 abseits der Warriors, Spurs, Thunder und Cavaliers schon eine mittelgroße Überraschung darstellen. Analog hätte 2014/15 ein Final Four ohne wenigstens zwei Teams aus einer vom Feld separierten Neuner-Gruppe (Kentucky, Virginia, Gonzaga, Arizona, Utah, Wisconsin, Villanova, Duke, Notre Dame) ziemlich überrascht. Zu gut waren diese Mannschaften qualitativ. Letztlich stellten sie drei der vier Halbfinalisten. In diesem Jahr fehlen solche Top-Level-Colleges komplett:

CBB 15vs16

Die Grafik zeigt es schön – die aktuell besten Teams dieses Jahres hätten in der vergangenen Saison nicht die Top 5 geknackt und wären damit also auf keinen Fall in einer #1-Seed-Diskussion gewesen. Keine Mannschaft konnte bisher auch nur ansatzweise konstant, dominante Leistungen bringen. Schon sechs unterschiedliche #1-Teams brachten die wöchentlichen AP-Polls hervor, kein High Major-Team hat nicht wenigstens schon viermal verloren. Zu diesem Zeitpunkt ist dies ungewöhnlich, beendeten in der vergangenen Spielzeit doch gleich acht Teams trotz Conference- und regulärem Tournament ihre gesamte Saison mit vier oder weniger Pleiten auf dem Konto.

cbb stat

Gleichzeitig ist laut KenPom-Rating der Abstand zwischen dem #1- und dem #25-Team nur halb so groß wie im Vorjahr. Dies lässt uns in einer Welt zurück, in der sich aktuell nicht nur acht, sondern vielleicht 20 Teams berechtigte Chancen auf einen Trip zum Final Four nach Houston ausrechnen können. So unvorhersehbar war das NCAA-Tournament dadurch schon lange nicht mehr. Es riecht nach einem Final Four ala 2011, in dem wir die extrem ungewöhnliche Seed-Kombination #3 Connecticut, #4 Kentucky, #8 Butler und #11 VCU sahen.

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1 comment

  1. Takittothu Limit

    kurze Introspektion nach dem Lesen deines Artikels……. jop, bin heiß wie Frittenfett!


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