Cleveland Cavaliers, Memphis Grizzlies, Miami Heat, Oklahoma City Thunder, Philadelphia 76ers, Portland Trail Blazers, Salary Cap / CBA

Money makes the trades go round

Wie finanzielle Faktoren die Trade-Deadline prägten

Zur Deadline waren die Teams vor allem aus finanziellen Gründen aktiv, und auch das Ausbleiben größerer Trades lässt sich so erklären: Ein Blick auf die wichtigsten Entscheidungen und ihre Hintergründe

Heat, Thunder, Cavs: Traden gegen die Tax

Das Team, bei dem die finanziellen Beweggründe wohl am deutlichsten sind, ist Miami. Schon der Mario Chalmers-Trade im November hatte auch die Payroll reduziert, im Februar ging es eigentlich nur darum: In drei Trades wurden nur Spieler ohne echte Rolle in der Rotation abgegeben, um insgesamt 14 Millionen Dollar einzusparen (zu den finanziellen Details vieler Deals hier mehr). Zuerst ging Chris ‚Birdman‘ Andersen schon zwei Tage vor der Deadline im Drei-Team-Trade um Courtney Lee nach Memphis. Dafür mussten die Heat zwei Secondrounder abgeben und Brian Roberts aufnehmen, der anschließend nach Portland weitergeschickt wurde – wieder für den Preis eines Zweitrundenpicks. Damit die Pelicans Jarnell Strokes übernehmen, musste Pat Riley immerhin nur zahlen und keine weiteren Assets abgeben. Auch wenn einer der Picks Top 55-geschützt und somit weitgehend wertlos ist, haben die Heat ihre ohnehin schon wenigen Draft Picks weiter reduziert. Miami hat bis 2021 (!) keinen Zweitrundenpick mehr und muss in diesem Zeitraum drei Erstrundenpicks abgeben, die jeweils in ihrem letzten Jahr ungeschützt sind. Selbst die Nets und Kings sind weniger langfristig in ihrer Handlungsmöglichkeit eingeschränkt, was vor allem mit Blick auf Gesundheit und Verträge der beiden Heat-Stars ein extrem schlechtes Zeichen darstellt. Auch wenn die Einsparungen theoretisch den Kauf von Secondroundern ermöglichen würden – sofern sich Verkäufer finden – zeigt sich an den Heat, wie die veränderten Luxussteuer-Regelungen auch ausgabenfreudigere Franchise-Besitzer beeinflussen.

Dass die Thunder ihre finanziellen Verpflichtungen reduzieren, kann daher kaum überraschen. Zusammen mit zwei Zweitrundenpicks und Cash schickte Sam Presti Steve Novak und D.J. Augustin nach Denver, zurück kam nur Randy Foye und eine Trade Exception. Anders als die Heat steht OKC zwar noch nicht in der Repeater Tax, die Reduzierung von 12 auf knapp 9 Millionen bringt trotzdem Einsparungen von 8 Millionen Dollar. Durch die Nutzung des freigewordenen Roster Spots könnte zumindest ein Teil des Geldes wieder investiert werden: Mit der Mini-MLE haben die Thunder von allen Contendern die besten Möglichkeiten, noch Spieler aus Buyouts zu verpflichten. Gleichzeitig sollte Foye auch spielerisch ein Upgrade zu den Bankdrückern Augustin und Novak darstellen, so dass die Entscheidung auch sportlich sinnvoll ist. Gerade mit Blick auf die Free Agency von Durant dürfte es für Sam Presti wichtig gewesen sein, nicht den Eindruck zu großer Sparsamkeit zu erwecken – der Nuggets-Trade war daher ein sinnvoller Kompromiss.

Der Cavaliers-Tausch Anderson Varejao gegen Channing Frye wirkt auf den ersten Blick nicht wie eine Tax-motivierte Entscheidung, schließlich verdient Frye nur etwa drei Millionen Dollar weniger verdient als Varejao und der ebenfalls getradete Jared Cunningham. Da die Cavs aber so massiv über der Luxussteuer-Linie liegen, dass durch die progressive Tax zuvor über 60 Millionen an Strafzahlungen angefallen wären, sorgt selbst dieser Trade für 9 Millionen an Tax-Einsparungen. Noch deutlicher wird die finanzielle Dimension des Trades, wenn man miteinbezieht, dass die Cavs Varejao hätten halten können – Frye hätte auch in die Brendan Haywood-Trade Exception gepasst. Die Kosten von über 40 Millionen Dollar nur in dieser Saison erklären jedoch, wieso David Griffin lieber einen Erstrundenpick mit Varejao nach Portland geschickt hat.

Die drei Beispiele zeigen, dass auch Franchises mit Playoff- bis Meisterschaftsambitionen durch die Luxussteuer stark beeinflusst werden. Vor allem Spieler ohne sportlichen Wert will kein Team im Kader halten, wenn schon kleine Gehaltseinsparungen massive Tax-Ersparnisse bedeuten. Unter alten Luxussteuer-Regeln wäre der Handlungsdruck deutlich geringer gewesen.

Blazers und Sixer: Traden gegen die Minimal-Payroll

Auch auf der anderen Seite des Gehaltsspektrums hatten die Franchises einen Grund, aktiv zu werden: Seit dem Collective Bargaining Agreement von 2011 müssen Teams mindestens 90% des Salary Caps nutzen. Die Strafe für ein Verfehlen dieser Grenze ist vergleichsweise harmlos – die fehlende Summe muss an die Spieler des Teams überwiesen werden – und hat in den letzten Jahren nicht immer dazu geführt, dass im Sommer der komplette Cap genutzt wurde. Praktisch ist es immer noch attraktiv, bis zur Deadline viel Cap Space zu behalten. Zum einen lassen sich durch Trades Assets einsammeln, wie Blazers und Sixers gezeigt haben: Portland, vor der Deadline noch 15 Millionen Dollar unter dem Cap, steht jetzt bei gut 62 Millionen Dollar bei 63 Millionen Untergrenze. Dafür erhielten sie in den bereits angesprochenen Trade für Varejao und Brian Roberts einen Erst- beziehungsweise Zweitrundenpick – und sparen auch noch Geld: Da NBA-Spieler im Normalfall monatlich bezahlt werden, sind die Blazers nur noch für das Gehalt von Mitte Februar bis Ende Juni verantwortlich. Aus diesem Grund ist es unter Umständen sogar sinnvoll, einen Waiver Claim zu setzen, wie die Sixers letztes Jahr auf Thomas Robinson. Diese Saison sammelte Sam Hinkie zur Deadline Joel Anthony und einen Zweitrundenpick ein, was das Team ebenfalls auf gut 62 Millionen Dollar an Gehältern bringt.

Auch der Cap Hit für nächstes Jahr, den etwa Varejao mit sich brachte, ist aus diesem Grund vertretbar. Die Sixers erreichen die Untergrenze diese Saison zu knapp der Hälfte durch Spieler, die überhaupt nicht im Kader stehen: Javale McGee und Gerald Wallace mit jeweils mehr als 10 Millionen Dollar Gehalt brachten dem Team zumindest indirekt Picks, während sie die Summe ohnehin in irgendeiner Form hätten zahlen müssen. Der massive Cap-Anstieg im Sommer bedeutet vermutlich, dass in der kommenden Saison mehrere Teams unterhalb der Gehaltsuntergrenze bleiben. Für die Blazers ist es daher vermutlich sinnvoller, bereits einen Pick aus Cleveland eingesammelt zu haben, als stattdessen Spieler überzubezahlen.

Ob mehr Deadline-Trades eine beabsichtigte Folgen von Gehaltsuntergrenze und Repeater- bzw. Progressiver Tax waren, ist eher zu bezweifeln. Vermutlich stört es Franchises und Liga aber auch nicht: Die mediale Aufmerksamkeit für Trades und Free Agency im Sommer – durch die kürzeren Verträge ebenfalls verstärkt – dürften einen attraktiven Nebeneffekt darstellen.

Morris, Harris und Frye gegen Green, Lee und Motiejunas: Die Rolle der Vertragslänge

Der schon für die Gehaltsuntergrenze relevante Cap-Anstieg im Sommer hat die Deadline noch in einer anderen Hinsicht beeinflusst: Bei den sportlich relevanten Trades sind in Markieff Morris und Tobias Harris zwei Spieler mit noch über 3 Jahren sowie Frye mit noch über 2 Jahren Vertragslaufzeit bewegt worden. Die drei Verträge haben zudem nicht die klassische jährliche Steigerung, sondern eine kreativere finanzielle Gestaltung. Frye wird von Saison zu Saison günstiger, bei Harris sinkt die jährliche Summe ab 2016, und Morris verdient praktisch in allen Jahren gleichmäßig.

Mit Blick auf den massiv steigenden Cap – laut Zach Lowe rechnen die Teams mit mindestens 92 Millionen Dollar 2016/17 statt 89 wie bisher verbreitet, vermutlich würde dann auch die Prognose von etwa 108 Millionen Dollar 2017/18 steigen – wird es immer interessanter, noch ältere Verträge in den Büchern zu haben. Auf Morris trifft das voll zu, ohne den günstigen Vertrag hätte sein Verhalten in Phoenix einen Trade vermutlich unmöglich gemacht. Harris und Frye sind schon teurer, dürften aber immer noch günstiger sein als ab diesem Sommer verpflichtete Spieler. Solche Trades sind daher sinnvoll, wenn das Team dafür keine großen Ausgaben in der Free Agency mehr tätigen muss.

Umso erstaunlicher ist es, dass auch einige Spieler mit auslaufenden Verträgen guten Gegenwert erzielt haben. Vor allem die Grizzlies scheinen zu dem Schluss gekommen zu sein, dass ein Free Agency-Wettbieten um Rollenspieler gefährlich sein kann und daher Courtney Lee und Jeff Green abgeben. Die vier Zweitrundenpicks und P.J. Hairston, die Hornets und Heat gemeinsam für Lee und den Salary Drop Andersens ausgaben, sind noch im Rahmen: Hairston wird unrestricted Free Agent, die Seconds sind teilweise stark geschützt, und die Heat erhielten wie beschrieben einen erheblichen finanziellen Gegenwert.

Seltsamer wirken die Trades für Green und auch Motiejunas: Zum einen scheint Doc Rivers seinem Muster des Verpflichtens ehemaliger Spieler treu zu bleiben. Der Preis eines Erstrundenpicks (und des verschmerzbaren Lance Stephenson) für wenige Monate eines Durchschnittsspielers trotz miserabler Meisterschaftschancen wäre unter normalen Umständen schon fragwürdig. Durch den steigenden Cap steigt aber auch das Risiko, dass Green im Sommer die Clippers wieder verlässt, selbst wenn sie einen erheblichen Preis zu zahlen bereit sind. Kurz gesagt hat Rivers sich mit einem 2019er-Erstrundenpick das Recht erkauft, Green im Sommer überzubezahlen. Bei Motiejunas ist das Problem ähnlich, er ist allerdings immerhin Restricted Free Agent. Trotzdem erscheint es fragwürdig, sich freiwillig dem zu erwartenden Free Agency-Wahnsinn auszusetzen, zumal die Pistons mit Harris ja genau entgegengesetzt handelten. Ob einer der wenigen anderen Coach-GMs, Stan van Gundy, durchdachter getrated hat als sein Pendant in Los Angeles, muss sich also noch zeigen.

Howard, Horford und Co. Nichts passiert

Mindestens genauso interessant wie das, was passiert ist, ist das, was nicht passiert ist. Für die Anzahl an Gerüchten im Spektrum von ‚eher unglaubwürdig‘ (Blake Griffin, Kevin Love) bis ‚denkbar‘ (Dwight Howard, Al Horford) war die Deadline eher enttäuschend. Harris als bester getradeter Spieler ist im Optimalfall ein überdurchschnittlicher Starter. Sonst wurden höchstens Rollenspieler bewegt, nicht einmal junge Spieler oder wertvolle Picks wie letztes Jahr.

Gerade bei den realistisch verfügbaren größeren Namen wie Howard fehlten wohl die Bieter, was wieder auf den ansteigenden Cap zurückzuführen ist: Kaum ein Team möchte für einen alternden Star mit auslaufendem Vertrag so viel bezahlen, wie der Name vielleicht noch verlangt, wenn im Sommer ein Zahltag mit dreistelligem Millionengehalt droht. Gerade die zweite Reihe an Free Agents wird sich im Sommer vor Angeboten kaum retten können, ist aber anders als LeBron James und Kevin Durant die aufgerufene Summe nicht unbedingt wert.

Das Zögern vieler GMs ist somit nachvollziehbar und spiegelt möglicherweise eine Tendenz der letzten Jahre wieder: Je unübersichtlicher und unvorhersehbarer die Situation ist, desto weniger wird zur Deadline getradet. Vor zwei Jahren schlugen gerade die CBA-Änderungen voll durch, was die Ruhe nachvollziehbar machte. Die Deadline letzte Saison war dafür umso ereignisreicher, auch, weil die externen Faktoren vergleichsweise gering waren. Diese Saison prägten die finanziellen Bedingungen die Deadline, was riskantere Trades verhinderte. Zudem dürfte auch die Dominanz der klaren Contender die zweite Reihe zur Zurückhaltung verleitet haben – mit Ausnahme von Doc Rivers.

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