3-on-1 Fastbreak, NBA

Most Improved Player

3-on-1 Fastbreak #5

In wenigen Tagen haben die Teams der NBA die Hälfte aller Regular Season Spiele absolviert; es ist der Zeitpunkt erreicht, in dem sich endgültig abzeichnet, wie die Marschrichtung der Franchises für diese Spielzeit lautet. Ebenfalls spricht man im Bezug auf Advanced Stats häufig von einer nun ausreichenden Sample Size, um sich einen Eindruck von den Leistungen der Spieler zu machen. Wie in jedem Jahr gibt es auch in der aktuellen Saison Protagonisten, die bisher hinter den Erwartungen zurück blieben, aber auch jene, die durch unerwartet gute Leistungen auf sich aufmerksam machen konnten. Genau mit diesen Spielern beschäftigen wir uns in unserem aktuellen  3-on-1-Fastbreak. Gemeinsam fragen sich unsere Redakteure Marc Petri, Sebastian Hansen und Martin Sobczyk, welcher Spieler sich in den bisherigen Spielen der Saison 2015/2016 individuell am meisten verbessert hat.

Marc Petri: Will Barton

In Zeiten des stark ansteigenden Salary Caps sind sie in der NBA immer seltener – die sogenannten „Schnäppchen“. Ein Spieler, der sich im Laufe der aktuellen Spielzeit zu einem solchen entwickelt hat, ist Will Barton von den Denver Nuggets. Gemeinsam mit Thomas Robinson, Victor Claver und einem für die Lottery geschützen First-Round Draft Pick wurde er im Februar des vergangenen Jahres für den enttäuschenden Rückkehrer Arron Afflalo von den Portland Trail Blazers zu den Denver Nuggets transferiert. Im weiteren Verlauf der vergangenen Saison bekam Will Barton zwar bedeutend mehr Spielzeit (24,4 Minuten, bei den Blazers spielte er bis zu diesem Zeitpunkt nur 10 Minuten pro Spiel), jedoch schaffte er es nicht sich soweit in den Vordergrund zu spielen, um im Sommer – gemäß des aktuellen Trends – als Free Agent groß abzusahnen.

Arron Afflalo konnte auch in Portland nicht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen und so war man sich einig, dass die Denver Nuggets mit dem erwähnten Trade alles richtig gemacht haben. War der Hauptgrund hierfür vor einigen Monaten noch der angesprochene Draftpick, hat sich die Situation in den bisherigen Spielen der aktuellen Saison sogar noch verstärkt, da Will Barton groß aufspielt.

 

15.8 Punkte, 6.2 Rebounds und 2.5 Assists sammelt Will Barton in dieser Spielzeit in den 29.6 Minuten, die er durchschnittlich auf dem Court steht. Bis auf eine Ausnahme kam er hierbei in allen Spielen von der Bank und agierte im Team von Mike Malone als Mädchen für alles – er punktet, kreiert für sich und seine Mitspieler, übernimmt phasenweise den Spielaufbau und greift sich mehr Rebounds, als alle anderen reinen Flügelspieler in der NBA. Besonders stark agierte Will Barton im Dezember. 20.8 Punkte, 6.8 Rebounds und 3.1 Assists lautete hier seine Ausbeute.

Es sind aber nicht nur die nackten Zahlen, welche (gerade im Vergleich zu seinen bisherigen Spielzeiten in der NBA) ins Auge fallen, sondern auch die Effizienz, mit welcher er diese auf den Court bringt, denn gerade in der Offensive hat Will Barton in dieser Saison bisher unerwartet starke Zahlen geliefert. Mit einen True Shooting von 55 Prozent und einer Dreierquote von 39.6 Prozent bei 166 Versuchen (bis zu dieser Saison traf er nur knapp 23 Prozent seiner Dreier) agiert er in der Spitzengruppe der Flügelspieler, die ein ähnliches Volumen aufweisen.

Auch agieren die Denver Nuggets in dieser Spielzeit wesentlich stärker, wenn der Flügelspieler aus Baltimore, Maryland auf dem Court steht. Zwar ist man dann per 100 Possesions immer noch 1.2 Punkte schlechter als der jeweilige Gegner, in den Phasen in denen er auf der Bank sitzt fällt dieser Wert jedoch auf 10.4 Punkte. Dies unterstreicht wie wichtig Will Barton in dieser Saison für die Denver Nuggets ist.

Was macht Will Barton so stark? Vor allem ist hier seine Flexibilität in der Offensive zu nennen. Die Kombination aus der Tatsache, dass er den Dreier hochprozentig trifft, aber auch durch seine hohe Grundgeschwindigkeit und einem soliden Ballhandling im Drive eine ständige Gefahr darstellt (5.5 Drives pro Spiel), macht ihn zu einem Spieler, der nur sehr schwer zu verteidigen ist. Wenig überraschend ist daher, dass Will Barton 377 seiner 497 Versuche aus dem Feld entweder in der Zone oder von jenseits der Dreierlinie genommen hat.

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Will Barton ist in seiner vierten Spielzeit endlich in der NBA angekommen und es wird spannend zu beobachten sein, wie er und seine Denver Nuggets sich in den nächsten Jahren entwickeln. Mit seiner Leistungssteigerung in diesem Jahr gehört er schon jetzt zu einen der Akteuren mit dem besten Preis/Leistungs-Verhältnis (11 Mio. USD / 3 Jahre). Diese Entwicklung macht Will Barton zu einen der heißesten Anwärtern auf den Titel des am meisten verbesserten Spieler der Saison 2015/2016.

Sebastian Hansen: Stephen Curry

Viele werden sich beim Lesen des Namens denken: Häh, hier geht es doch um den MIP, nicht den MVP?! Ja, es geht genau um dem Spieler, der im Vergleich zu letzten Saison die größte Verbesserung hingelegt hat. Stephen Curry, Anführer der Golden State Warriors, war schon letztes Jahr einer der besten Spieler der Liga, zeigte hervorragende Leistungen und wurde verdient Most Valuable Player der Saison 2014/15. Kaum jemand glaubte, dass Curry diese Leistungen noch großartig steigern könnte. Doch Curry interessierte das wenig und verbesserte sein Spiel in einem Ausmaß, das in Anbetracht seiner vorherigen Leistungen unheimlich erscheint. 29,5 Punkte statt 23,8. Ein ORtg von 125 statt 122. Steigerung der USG% von 28,9% auf 32,2%. Curry trifft zudem einen Dreier mehr pro Spiel als noch vor Jahresfrist (nämlich 4,6 statt 3,6) und produziert nun 0,337 Winshares/48 anstatt 0,288. In Sachen ORtg, Winshares und Punkten führt er die Liga an. Alles in allem hat Curry sich persönlich sowohl in Effektivität als auch Effizienz z.T. erheblich steigern können. Insbesondere seine Shooting-Fähigkeiten sind phänomenal. Die Selbstverständlichkeit, mit der Curry auch Dreier weit jenseits der Linie trifft, ist fast schon beängstigend. Auch das – vor allem auch in Kombination mit dem nochmals gesteigerten Volumen – ist eine Entwicklung, die ihren vorläufigen Höhepunkt erst in dieser Saison fand. Der beste Shooter der NBA war Curry schon letzte Saison, den Abstand zum Rest der Liga konnte er über den Sommer jedoch nochmal deutlich vergrößern. Auch sein Team, die Golden State Warriors, konnten ihr ORtg ebenso wie ihre Siegquote im Vergleich nochmal steigern. Auch wenn ihre Dominanz noch andere Gründe hat, Stephen Curry ist einer der Hauptverantwortlichen für den Höhenflug des Teams aus Oakland. 

 

Soweit die Leistungen des Superstars. Doch warum sollte er dafür den MIP erhalten? Meist wird dieser Award an Spieler vergeben, die in der jeweiligen Saison ihr Breakout-Year feierten. Das hat Curry definitiv nicht getan, er war ja davor auch schon einer der besten der NBA. Doch Currys Steigerungen sind aus einem besonderen Grund dermaßen außergewöhnlich, dass er den Titel verdient hat. Dieser Grund liegt genau an seinem vorherigen spielerischem Niveau. Steigerungen sieht man auch bei schon sehr guten Spielern immer wieder, ebenso wie Leistungssprünge wie derjenige Currys. Aber in den letzten Jahren gab es keinen einzigen Fall, in dem ein Akteur von einem so hohen Niveau einen so großen, neuerlichen Sprung gemacht hat. Die Kombination macht es also. Deswegen sollte Stephen Curry mit dem MIP der Saison 15/16 ausgezeichnet werden. 

Martin Sobczyk: C.J. McCollum 

Wenn man es genau nimmt, dann ging der Stern von McCollum nicht erst in dieser Saison auf, denn schon zum Ende der letzten Spielzeit erntete der Guard der Blazers im März und April dank der verletzungsbedingten Ausfälle viele Spielminuten und deutete schon an, was man in der Saison 2015/16 von ihm erwarten könnte. Exemplarisch sei an dieser Stelle Spiel 6 der ersten Runde gegen die Grizzlies zu nennen, in dem er sieben Dreier verwandelte und insgesamt 33 Punkte erzielte. Doch nicht nur dieser vielversprechende Saisonausklang ließ McCollum schon vor Beginn der Spielzeit zu einem MIP Kandidaten werden, auch das Umfeld war wie gemacht für einen Breakout. Denn im Sommer verließ Wesley Matthews als auch Arron Afflalo via Free Agency die Blazers, sodass klar wurde, dass viel Spielzeit für McCollum abfallen würde. Doch diese muss man erstmal zu Nutzen wissen – und dies tut der 10. Pick aus dem Jahr 2013 in beeindruckender Manier!

Die nackten Zahlen deuten an, wie schnell die Rolle von McCollum gewachsen ist. Während er in der vergangenen Spielzeit in lediglich knapp 16 Minuten 6,8/1,5/1 (15,7Pts/3,4/2,4 per 36 Min) auflegte, kommt er in diesem Jahr bei 35 Minuten pro Spiel auf 20,9/3,7/4,4. Interessant ist hierbei, dass er nicht nur seine Stats hochschrauben konnte, sondern dabei sogar effizient agiert. Dabei gelang es ihm sein 3-Point-Shooting trotz erhöhtem Volumen auf hohem Niveau (39,8%) beizubehalten, sein FT% zu steigern und trotz erhöhter Usage ging die TO% runter. Die Leistung von McCollum ist daher keineswegs darauf zurückzuführen, dass hier ein Spieler in einem schwächeren Team lediglich seine totalen Zahlen in die Höhe treibt, sondern dem Team tatsächlich weiterhilft und es in der Offensive neben Lillard trägt. Dies zeigte sich insbesondere während des Ausfalls von Lillard Ende Dezember. In den Spielen ohne den Point Guard legte McCollum nicht nur individuell beeindruckende 26/5,5/6,5 bei knappen 50% aus dem Feld auf, sondern führte die Blazers zu vier Siegen in sechs Partien.

Dieser kurze Abschnitt ohne Lillard, zeigt gut auf, dass McCollum eine hervorragende Saison spielt und mit dafür verantwortlich ist, dass die Blazers nicht wie so mancher Experte erwartet hatte, zum Bodensatz der Liga gehören, sondern immerhin 40% ihrer Spiele gewinnen. In den knapp 40 Spielen gelang es ihm bereits in die vorderste Riege der Shooting Guards dieser Spielzeit vorzustoßen und man kann mit Überzeugung feststellen, dass C.J. McCollum nicht nur vor der Saison ein heißer Kandidat auf den MIP Award gewesen ist, sondern die gesteckten Erwartungen bislang noch übertreffen konnte.

 

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3 comments

  1. Avatar

    Coach K

    Guter Artikel,

    ich weiß das mit Curry einen Spieler gibt der zum ersten Mal MVP und MIP gleichzeitig werden könnte.
    Es wäre aber schöner gewesen eher von einem anderen Spieler zu lesen.
    (Aber das ist von mir Jammern auf sehr hohem Niveau)

  2. Sebastian Hansen

    Ich wollte halt Curry bringen :D Klar, es hätte auch andere Kandidaten gegeben, aber wir müssen uns halt auf drei beschränken.

  3. Avatar

    Coach K

    Ich mache dir ja keinen Vorwurf und ich denke das es für Leute die nicht so tief in der NBA-Welt stecken es interessant ist hier Curry vor zufinden.
    Das war nur meine eigene Meinung. Ich finde euren Fastbreak immer schön zu lesen.
    Deswegen so weiter machen.


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