Indiana Pacers

Der Smallball der Indiana Pacers

Ein erfolgsträchtiges Modell in Indianapolis?

Die Indiana Pacers sind eine der positiven Überraschungen in dieser Saison.  Nach dem Abgang von Roy Hibbert und David West wurde das Team im Sommer radikal umgebaut. Vor allem auf den großen Positionen verließen mit West (28.7 MPG), Hibbert (25.3) und Scola (20.5) gleich drei Leistungsträger die Franchise. Eine neue Identität sollte geschaffen werden, die Pacers wollten kleiner und schneller spielen. Deswegen wurde auf den großen Positionen mit Jordan Hill (4Mio$/1 Jahr) und Rookie Myles Turner auch nur bedingt nachgerüstet.

Paul George – ein Power Forward?

Vor der Saison wurde bereits heiß diskutiert, inwiefern Paul George auf der Vier in der NBA bestehen könnte. Nach mehr als zwei Monaten können wir sagen, dass George praktisch gar nicht gegen Power Forwards agiert. Die folgende Tabelle zeigt, wie die Defensiv-Matchups der Pacers von Paul George und CJ Miles im Dezember zu Spielbeginn ausgesehen haben. In sechs Spielen startete Lavoy Allen anstelle von CJ Miles.

Matchups

Auffällig dabei ist zum einen, dass Lavoy Allen immer dann gestartet ist, wenn die gegnerische Mannschaft über einen dominanten Offensiv-Big verfügte. So stand Allen gegen Griffin, Bosh, Nowitzki, Aldridge und Millsap auf dem Feld. Das Spiel gegen die Bulls, in dem er Taj Gibson verteidigte, bildet eine Ausnahme, da Miles in diesem Spiel verletzt nicht antrat.
Ebenfalls auffällig ist, dass auch wenn CJ Miles gestartet ist, eben jener und nicht George den gegnerischen Power Forward verteidigt hat. Die einzigen Ausnahmen in diesen zehn Spielen bilden die Spiele gegen Memphis und Sacramento, wo George gegen Green bzw. Gay, also Smallball-Vierer verteidigt hat. Insgesamt lässt sich also sagen, dass die Pacers sich sehr matchupspezifisch an ihre Gegner anpassen. George bekommt es in der Defensive dabei kaum mit Big Men zu tun und kann so auch seine Stärken als On-Ball-Defender gegen Flügelspieler weiter ausspielen.

“I haven’t been the 4 man since two or three games in, and it’s starting to get to position-less basketball, and that’s how it’s been for us – Paul George (11. Dezember)

Auch die gegnerischen Mannschaften stellen offensiv in der Regel lieber einen Flügelspieler gegen George, um einem Schnelligkeits-Mismatch zu entgehen. Stattdessen agieren die gegnerischen Power Forwards öfter gegen den deutlich eindimensionaleren CJ Miles. Der 28-jährige nimmt 63 Prozent aller Abschlüsse von hinter der Dreierlinie und kann auch Big Men nur selten im Dribbling schlagen.
Alles in allem kann also durchaus festgehalten werden, dass die Pacers sehr positionslos spielen, George es aber eigentlich nie mit wirklichen Big Men zu tun bekommt.

Smallball oder Bigball?

Um zu analysieren, wie oft die Pacers Smallball-Lineups nutzen, wurden die 30 Lineups, welche die Pacers am häufigsten spielen, untersucht. Diese decken in etwa 72 Prozent der Gesamtminuten der Pacers ab, das dürfte reichen, um zumindest Tendenzen feststellen zu können. Als Bigball-Lineups gewertet wurden alle Lineups, die zwei der folgenden Spieler beinhalten: Ian Mahinmi, Lavoy Allen, Jordan Hill, Myles Turner, Shayne Whittington. Alle restlichen Lineups wurden als Smallball-Lineups eingestuft.

SmallballvsBigball

Wie in dem Diagramm zu erkennen ist, spielen die Pacers eine sehr ausgeglichene Mischung aus traditionellen und Smallball-Lineups.

“It’s about 50-50, how much we play with a spread lineup or a big lineup. I think we’re a flexible team, not a small-ball team.” – Frank Vogel

Die Smallball-Lineups stehen dennoch insgesamt etwas häufiger auf dem Feld. Dies hat viel damit zu tun, dass die in der Regel startende und auch am meisten gespielte Lineup mit 296 Minuten (Stand 08.01.16) aus Hill, Ellis, George, Miles und Mahinmi eine Smallball-Lineup ist. Eine weitere interessante Tatsache ist, dass diese Lineup ein deutlich negatives NetRating von -5.1 hat. Die eigentlich gute Defensive der Pacers (DRTG 98.6/4.) kann in dieser Lineup nur ein Defensivrating von 106.7 aufweisen. Dies wirft die  Frage auf: Spielen die Pacers überhaupt erfolgreich mit kleinen Lineups?

SmallballvsBigball2

Auch in dieser Grafik wurden die Offensiv- und Defensivratings der Smallball- und Bigball-Lineups wieder aus den 30 meist gespielten Lineups der Pacers errechnet. Wegen der Überprüfbarkeit hier die Formel:

Rating [Smallball-Lineup x1] * [Minuten-Smallball-Lineup x1]+Rating [Smallball-Lineup x2] * [Minuten-Smallball-Lineup x2]+ … + Rating [Smallball-Lineup xn] * [Minuten-Smallball-Lineup xn] / Gesamtminuten aller Smallball-Lineups

Auf der Grafik ist vor allem defensiv eine deutlich Differenz zwischen den Small- und Bigball-Lineups. Mit den Bigball-Lineups unterbieten die Pacers sogar deutlich die defensiven Effizienzwerte aus den Saisons 2012/13 (96.6) und 2013/14 (96.7), als sie die beste Defensive der NBA stellten. In den Smallball-Lineups zeigen sich hingegen größere defensive Probleme. Das Überraschendere ist jedoch, dass sie trotz des vermeintlich besseren Spacings mit George und Miles auf der Drei und der Vier, auch offensiv in den kleineren Lineups nicht stärker agieren. Woran ist dies festzumachen?

Zunächst einmal fehlt es an Spielern, welche das Spacing durch Drives zum Korb nutzen können. In der Liga liegen die Pacers mit 22.7 Drives pro Spiel gerade einmal auf Rang 22. Auch Monta Ellis, welcher in den letzten Saison bei den Mavericks noch mit 8.3 Drives in 34 Minuten einer der drivestärkeren Spieler war, zieht in dieser Saison deutlich weniger zum Korb (5.5 Drives in 33 Minuten). Nur noch 34.8% seiner Abschlüsse finden innerhalb von einer Distanz von 10ft (ca. 3m) zum Korb statt: der niedrigste Wert seiner Karriere.  Dies ist auch deshalb sehr überraschend, weil Ellis den Ball in dieser Saison (64.3 Touches pro Spiel) nicht weniger in den Händen hält als in der letzten Saison (62.9 Touches pro Spiel). Nur sehr selten kommt Ellis so gut zum Korb, wie in dieser Szene, wo die Pacers drei Blöcke für ihn stellen.

Auch Paul George und George Hill, die anderen beiden Spieler, welche den Ball viel in den Händen halten, ziehen vergleichsweise wenig zum Korb und verlassen sich gerne auf ihren guten Sprungwurf. Hinzu kommt, dass mit Mahinmi oder Lavoy Allen oft auch ein Big Man in Smallball-Lineups auf dem Feld steht, welcher in seinen offensiven Möglichkeiten sehr begrenzt ist. Beide zeigen auch beim Abschluss in Korbnähe oft Unsicherheiten.

Die Kombination aus wenigen Drives und offensivschwachen Bigs führt dazu, dass die Pacers nur sehr wenig in Korbnähe abschließen (31.7 FGA aus weniger als 8ft/Rang 26). Das schadet natürlich auch ihrer offensiven Effizienz, denn die Abschlüsse in Korbnähe sind natürlich trotz der Revolution zum Dreipunktewurf in den letzten Jahren, immer noch die effizientesten Abschlüsse im Basketball – nach den Freiwürfen.
Hinzu kommt, dass die Pacers auch in vielen Smallball-Lineups nicht unbedingt viele gute Dreipunkteschützen auf das Feld stellen können.  Denn obwohl die Pacers als Team mit 36.5 Prozent die viertbeste Dreierquote der Liga stellen, haben sie im Endeffekt nur drei Spieler, die konstant den Wurf von Außen treffen: Paul George (40.1 Prozent), CJ Miles (39.2 Prozent) und George Hill (42.2 Prozent). Wichtige Rotationsspieler wie Ellis (28 Prozent) und Stuckey (22 Prozent) können dagegen an der Dreierlinie offen stehen gelassen werden. Auch Chase Buddinger kann mit einer Dreierquote von 32.7 Prozent mehr oder weniger vernachlässigt werden.
Vor allem die Kombination aus Stuckey und Ellis, welche in vielen Smallball-Lineups auftritt, scheint die Offensive zu lähmen. Im Schnitt stehen die beiden fast 12 Minuten gemeinsam auf dem Feld und in dieser Zeit können die Pacers gerade einmal ein Offensivrating von 97.9 aufweisen. In dieser Szene ist gut zu beobachten, wie wenig Beachtung Rodney Stuckey abseits des Balles von der Defensive bekommt. Zach LaVine hilft beim Roll Man aus und Towns und Rubio können sich gemeinsam auf Ellis konzentrieren.

Identität

Obwohl die Pacers vor der Saison ihren Kader auf Smallball umstrukturiert haben, scheinen sie ihre gute Bilanz hauptsächlich ihren großen Lineups zu verdanken. Mit der Rückkehr von Rookie Myles Turner hat Frank Vogel jetzt auch wieder etwas mehr Tiefe auf den großen Positionen und könnte theoretisch noch öfter auf größere Lineups vertrauen. Ob dies auch wirklich passieren wird, oder ob Vogel weiterhin so viele kleine Lineups bringt, bleibt abzuwarten. Das Geheimnis des diesjährigen Erfolges der Pacers liegt aber beim “Oldschool-Basketball” mit zwei traditionellen Bigs.

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