Draftprofile 2016

Ben Simmons

LSU Tigers

Datenblatt

Name: Ben Simmons

Geburtsdatum: 20.07.1996

Größe: 6’10”

Gewicht: 239 lbs

Spannweite: 6’11‘‘

Position: Playmaker/Big

Team: LSU Tigers

 

Überblick

Stärken/Schwächen | Scouting-Logbuch | Spielervergleich | Videos | Wichtige Spiele | Artikelempfehlungen | Statssektion | Trivia | Twitter

Stärken

Schwächen

+ Basketball-IQ
+ Passing
+ Vielseitigkeit
+ Two-Way Player Potential

– Shooting
– Post Moves

Scouting – Logbuch

01.02.2016

Knapp sechs Wochen liegt das letzte Ben Simmons-Update nun zurück. Oberflächlich betrachtet, hat sich seit diesem Zeitpunkt wenig getan. Die spektakulären Aktionen des Australiers flimmern weiterhin in Dauerschleife über die verschiedenen Kanäle der amerikanischen Sportberichterstatter. Gleichzeitig dominiert Simmons auch abseits von Zuckerpässen und Highlightdunks zumindest auf individueller Ebene die Collegebasketball-Welt nach Belieben und ist nach dem Leistungsabfall von Denzel Valentine in der Top 3 der Player of the Year-Konversation angekommen. Etwas genauer betrachtet hat sich das Spiel von Ben Simmons schon ein wenig verändert.

Einen ersten kurzen Überblick dazu kann unser aktueller Propects-Podcast verschaffen:

Der Wandel seines Teams

Zuerst müssen personelle Veränderungen der LSU Tigers besprochen werden, da diese Simmons und sein Spiel unmittelbar beeinflussen. Seit nun knapp 15 Partien stehen seinem Coach Johnny Jones zwei neue Spieler zur Verfügung. Mit Senior Keith Hornsby kehrte ein erfahrener Flügelspieler zurück, der wegen einer Verletzung in der Saison 2015/16 noch nicht auflaufen konnte. Zusätzlich erhielt Bigman Craig Victor Mitte Dezember seine Spielberechtigung. Der Sophomore, der im Sommer als Transfer nach Baton Rogue kam, musste wegen Wechsel-Regularien der NCAA bis zu diesem Zeitpunkt auf seinen ersten Einsatz im Tigers-Jersey warten. Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass beide Spieler eine wichtige Addition darstellen. Sowohl Hornsby als auch Victor reißen seit ihrer Ankunft an die 30 Minuten pro Spiel ab und konnten sich jeweils als Top 3-Offensiv-Option LSUs etablieren.

Simmons profitiert von ihrer Addition in zweierlei Hinsicht. Er erhält Entlastung auf beiden Seiten des Courts und kann sich über mehr Konstanz um ihn herum freuen. Wie schon anklang sind beide Neuzugänge durchaus talentierte Scorer. Hornsby strahlt mit seinem guten Distanzwurf viel Gefahr von Außen aus (1,8 3PM bei 41 3P%). Victor ist eher in Korbnähe Zuhause, kann aber mit seinem soliden Mitteldistanzspiel in manchen Situationen auch Verteidigungen etwas auseinanderziehen. Beide Spieler geben Simmons mehr Platz für seine Offensiv-Aktionen. Zusätzlich nimmt Victor dem Superfreshman auch defensiv eine gehörige Last ab. Der 19-Jährige muss sich seit der Ankunft des Transfers nicht mehr allein um die Postspieler der Gegner kümmern, sondern kann diese Verantwortung nun teilweise an den Teamkollegen abgeben und so Kräfte sparen. Zuletzt profitiert der Freshman von zwei neuen, verlässlichen Passoptionen. Spieler wie Blakeney, Sampson oder Patterson (alle unter 40 FG%) stellten zu Saisonbeginn noch wichtige Teile des Simmons’schen Supportingcasts dar, da es keine Alternativen gab. Nun können diese Minuten mit mehr Qualität gefüllt werden, während diese „streaky“ Jungs nur noch spielen, wenn sie einen guten Tag haben.

Es lässt sich schon erahnen – die Talentinfusion hat LSU enorm geholfen. Pre-Hornsby/Victor stand die Mannschaft bei einer Bilanz von 4-4 und konnte sich zwischenzeitlich nur noch kleine Chancen auf das NCAA- Tournament ausrechnen. Seitdem konnte das Team von Johnny Jones seinen Kurs aber gehörig korrigieren. 9-3 inklusive guter Siege gegen Kentucky und Vanderbilt sowie einer erstaunlich knappen Ein-Punkt-Niederlage gegen die #1 Oklahoma lassen die Tigers in ersten Mock-Brackets wieder auftauchen. Ben Simmons, der sicherlich vom Big Dance träumt, dürfte das freuen.

Positionsänderung

Ben Simmons hat noch immer die klare Vorgabe, nach jedem Tigers-Rebound den Ball schnellstmöglich nach vorn zu bringen und gegnerische Defensiven direkt zu attackieren, wenn sie noch nicht richtig formiert sind. Ein Blick auf die Pace (Rang 43 von 351) zeigt, dass Coach Jones die große Stärke seines Schützlings, das Transition-Game, weiterhin versucht auf diese Weise zu nutzen. Allerdings rückt der LSU-Coaching-Staff in Halfcourt-Situationen immer öfter von Simmons als Ballhandler am Top-of-the-Key ab und versucht dadurch genau solche Szenarien zu verhindern:

Ben Simmons - Floor Geometry Top-Of-Key

Gegen eine solche in Richtung Pack-Line-Defense formierte Verteidigung bleiben Simmons durch seinen noch immer nicht wirklich bewiesenen Wurf nur wenige Optionen. Sofern keiner der Perimeterverteidiger einen Fehler begeht, läuft in einem solchen Setting alles auf einen Simmons-Drive gegen mehrere Gegenspieler hinaus. Deshalb ist es löblich, dass sein Trainerstab versucht, ihn anderwärtig einzubinden. Ich würde seine Rollenänderung als eine Entwicklung vom Point Forward hin zum Playmaking Big bezeichnen.

Die LSU-Offense wird viel stärker um ihn als Screener und sein Postup aufgebaut. Simmons kann mit seinem schon gut ausgefüllten Körper starke Blöcke stellen und im Postup nahezu jeden Gegenspieler in die Position drücken, in der er sich wiederfinden möchte und den Defenser anschließend mit klugen Moves sowie seiner Beidhändigkeit oder aber seinem explosiven Antritt aus dem Konzept bringen. Es entstehen leichte Punkte am Ring. Dabei ist es egal, ob Simmons dieses Spiel mit dem Rücken zum Korb vom High- oder Lowpost anbringt (76,5 FG%@Rim).

In dieser Situation scort er recht leicht gegen Borderline-NBA-Spieler Alex Poythress:

Man möchte meinen, dass ihn diese Veränderung in seiner großen Stärke, dem Passing, beschneidet – dem ist aber nicht so. Als beispielhafte Erklärung kann diese in Abwandlungen nun recht oft gelaufene Variante des Horns-Sets herhalten:

Simmons wird nach zwei Pick’n’Rolls im Highpost freigespielt und hat dadurch die Chance ein Eins-gegen-Eins-Postup gegen einen isolierten Gegner zu bekommen. Wie oben schon beschrieben, muss der Australier im Gegensatz zu ihm als Dribbler am Perimeter in einer solchen Position deutlich stärker respektiert werden. Halten wir die Sequenz nach seinem Catch an, sieht man schön, wie die Geometrie des Spielfeldes sich zu seinen Gunsten ändert und ihm so neue Möglichkeiten eröffnet, durch die richtigen Plays effiziente Würfe zu kreieren. Simmons findet hier den weit offenen Schützen, der (mit Glück) einnetzt:

Ben Simmons - Floor Geometry Highpost

Er wird also nicht seinem elitären Skill, dem Passing, beraubt. Viel mehr wird er durch seine neue Platzierung auf dem Court nun eher in Situationen gebracht, in denen er sowohl als Scorer als auch als Passer gleichermaßen Gefahr ausstrahlt. Und dass ein kluger Spieler, wie Simmons, dies zu nutzen weiß, ist wenig überraschend.

Ein Cross-Court-Pass aus dem Postup heraus, bei dem er nur ein kleines Fenster hat, aber den Schützen in der Ecke findet:

Nettes Zusammenspiel mit seinem Bigman-Kollegen nach einer anderen Horns-Variante:

Ich könnte mir vorstellen, dass auch NBA-Teams genau auf diese Weise nutzen werden, da das Spiel um den Highpost seine Fähigkeiten am besten betont. Viele Plays mit ihm als Ballhandler am Perimeter sollte es nicht geben, da diese wegen der (noch) fehlenden Gefahr Wurf noch zu wenig Druck auf Defenses ausüben.

Wurf

Erfreuliches gibt es auch über den Wurf zu berichten. Simmons traut sich immer öfter Midrangewürfe aus der Freiwurflinien-Distanz anzubringen und trifft diese auch immer sicherer. Dass er anfängt, abgesunkene Verteidigungen zu bestrafen und sein Spiel so etwas weiter nach Außen verlegt, kann gar nicht genug gelobt werden. Wurfform und sein Selbstvertrauen in den zuletzt gezeigten Schuss-Aktionen gefallen mir sehr:

Auch seine Freiwurfzahlen sehen weiterhin recht ordentlich aus. Simmons scheint sich (trotz einiger Aufschreie wegen eines Airballs von der Charity Stripe) als 70%-Schütze einzupendeln. Das gibt ihm eine solide Basis für seine weitere Entwicklung. Einzig der Fakt, dass der Dreier noch immer nicht in seinem Spiel zu finden ist, ist zum aktuellen Zeitpunkt negativ zu sehen. Weiterhin VERSUCHT Simmons aus dieser Distanz noch nicht einmal Würfe. Dies muss sich mittelfristig ändern.

Defense

Ben Simmons hat nach meinen Beobachtungen in den letzten Spielen einen kleinen Schritt zurück genommen. Sah ich ihn beim letzten Update noch als recht klaren Plus-Verteidiger, würde ich ihn aktuell eher in die Kategorie Durchschnitts-Defender schieben. Der Freshman wird im Conference-Play von talentierteren Gegenspielern mehr gefordert und öfter zu Fehlern gezwungen, die sich nicht mit reiner Athletik ausbügeln lassen. Besonders als Defender im Post mag ich ihn zunehmend weniger. Dort wurde er schon zu Beginn der Saison von Henry Ellenson an Grenzen gebracht bzw. zeigte zuletzt Probleme gegen die athletische Sooners-Frontline:

Dies muss aber nicht so schlimm sein, da ich seinen defensiven Wert in der NBA auch eher in der Verteidigung am Perimeter sehe. Hier kann er seine Mobilität sowie schnellen Hände optimal anbringen und wird weniger von der verhältnismäßig kurzen Wingspan beeinträchtigt.

Er sticht in Situationen wie dieser hervor, in denen seine Aktivität, Mut zum Switchen und Wille zum Shotcontest herausstehen:

Auch solche Steals, die direkt in Fastbreakpunkte umgemünzt werden, zeichnen ihn aus:

Zudem könnte Simmons als Spieler mit hohem Basketball IQ auch jemand wie z.B. Shane Battier sein, der regelmäßig kluge Charges forcieren kann. Er zeigte diese Fähigkeit nun schon öfter einmal:

Mentalität

Abschließend möchte ich noch Simmons’ Einstellung der letzten Wochen loben. Zu Saisonbeginn kritisierte ich ihn für fehlende Aggressivität und wünschte mir mehr Willen zum Scoring. Genau das bringt der 19-Jährige im SEC-Play nun. Es spricht Bände, dass er bspw. auswärts aktuell immer eine Schippe drauflegt:

Simmons Stats SEC

Auch durch die Positionsanpassung bedingt, geht Simmons ungemein körperlich und zielstrebig zu Werke. Beispielhaft dafür mal diese Szene:

Schaut man sich dies an, verwundert es auch keinen Beobachter, dass Simmons in den Conference-Spielen derzeit astronomische 0,88 Freiwürfe pro Feldwurfversuch zieht.

Hinzu kommen aber auch immer mehr „klassische“ Superstar-Plays gegen Ende knapper Spiele. Simmons erkennt mehr und mehr, dass er in Clutch-Situationen das Heft des Handelns an sich reißen sollte und sich solche Isolations bei gutem Matchup als talentiertester Spieler seines Teams duchaus erlauben kann:

Auch solche „Ich bin einfach besser als du“-Eins-gegen-Eins-Drives (gegen das #1 Team des Landes!) sehe ich gern, nachdem Simmons zu Beginn des Jahres teilweise etwas Passivität versprühte:

Für das nächste Update werde ich beobachten, inwiefern sich Simmons‘ Wurf weiter festigt und eventuell seinen Weg bis hinter die Dreierlinie findet. Zudem gilt es seine Postups in Bezug auf NBA-Übertragbarkeit genau zu beobachten. Ich halte seine aktuelle Rolle am College auch für die beste Einsatzmöglichkeit auf dem nächsten Level. Dies funktioniert aber nur, wenn er auch in der NBA derartig als Scorer respektiert werden muss.

11.12.2015

Ben Simmons‘ Saisonstart auf individueller Ebene als gelungen zu bezeichnen, wäre eine klare Untertreibung. Schaut man auf den Statistikbogen, lässt der Australier nach sieben gespielten Partien keine Wünsche offen. Der Tigers-Forward scort nicht nur knapp 20 Punkte im Schnitt und führt die kompletten Collegebasketball-Welt mit seinen 14,9 Rebounds pro Spiel an, sondern liefert zusätzlich in nahezu allen anderen Kategorien ebenfalls hervorragende Werte (6 ApG, 2,4 SpG, 1,6 BpG, 2,1 TOpG / 53 FG%). Die Zahlen deuten das an, was jedem Fan nach 5 Minuten „Eyetest“ sofort klar wird – Ben Simmons ist einer dieser besonderen Spieler, der eine Basketballbegegnung in jeder Facette des Spiels nachhaltig beeinflussen kann.

Dies zeigte sich ganz besonders in der Partie gegen NC State, in welcher der Freshman ein Spiel zu dominieren wusste, in welchem er selbst nur vier Punkte erzielte. Genau diese Partie sahen NBA-Kollegen Artur Kowis und ich uns einmal genauer an, um die Leistungen des #1 Pick-Contenders zu analysieren:

Auf Teamebene hingegen läuft es für den aktuellen Superstar des College-Universums allerdings alles andere als rund. Schon drei Niederlagen musste LSU beklagen. Neben noch verschmerzbaren Misserfolgen gegen Marquette und NC State setzte es auch schon eine Schlappe der Marke „unverzeihlich“, wenn das Tournament das Saisonziel ist: Gegen Mittelklasse-Midmajor Charleston (#168 bei KenPom) wurden die Tigers trotz eines soliden Ben Simmons teilweise vorgeführt (22 Punkte Rückstand zur Pause). Zuletzt brauchte es eine 43-Punkte-Performance des Freshman, um die #111 der KenPom-Rangliste, North Florida, knapp zu schlagen. Viele der gezeigten Probleme sind auf mangelhaftes Coaching zurückzuführen. Diese taktischen Schwierigkeiten betreffen auch Simmons, weswegen er als Prospect auch noch nicht in Gänze bewertet werden kann.

Passing

Ben Simmons ist ein sehr intelligenter Spieler, der trotz seiner Größe über ein starkes Handling und exzellente Courtvision verfügt. Diese Skills nutzt er gern, um seine Mitspieler in vorteilhafte Situationen zu bringen. Am College beweist er, dass er jeden denkbaren Pass im Repertoire hat. Auffällig ist dabei sein sehr gewissenhaftes Decisionmaking. Die Offnight gegen Charleston einmal herausgerechnet, in der das gesamte LSU-Team keine gute Leistung ablieferte, steht Simmons aktuell bei 4,3 A/TO. Dies schafft er, weil es ihm nicht auf Highlights, sondern auf das im Spielmoment richtige Basketball-Play ankommt. Genau diese Einstellung, in Kombination mit seinen Fähigkeiten, wird sein Passing auch auf NBA-Ebene zu einem elitären Skill werden lassen.

Hier beweist Simmons gute Übersicht und passt den Ball von einer komplett überladenen Strongside auf die Weakside und ermöglicht so seinem Teamkollegen den Drive gegen einen zu starken Closeout:

Seine Outlets sind eine Augenweide:

Besonders gefährlich ist er aber, wenn er den Fastbreak selbst als Playmaker anführt:

Simmons kann auch den Highlight-Pass nach dem eigenen Drive im Halfcourt spielen:

Auch als Pick’n’Roll-Ballhandler scheint er sehr geeignet. Aktiv zeigen konnte Simmons dies aber noch nicht so oft. LSU verfügt über keinen geeigneten Big Man-Partner und lässt den Freshman lieber selbst als Screener oder aus der Isolation heraus agieren.

Für die Zukunft muss Simmons noch manchmal an der Balance zwischen für Mitspieler kreieren und eigenem Abschluss arbeiten. Ich habe aber keine Bedenken, dass er das schaffen wird. Ein Blick im Filmraum wird ihm gezeigt haben, dass Pässe wie diese dann doch zu viel des Guten sind:

Wurf

Vor der Spielzeit galt der Freshman als unterdurchschnittlicher Werfer. Zu diesem Zeitpunkt muss diese Einschätzung eventuell sogar noch mehr in Richtung „Non-Shooter“ korrigiert werden. Simmons kam in seinen ersten fünf Spielen ohne einen einzigen Dreierversuch aus. Auch Würfe aus der Mitteldistanz verweigerte er in den meisten Fällen. Die Versuche, die er nahm, landeten nicht oft in der Reuse (nur 10 getroffene 2P-Jumper bei 26 %).

Entsprechend wenig Respekt bringen gegnerische Defenses seinem Wurf entgegen. Simmons sieht sich im Halbfeld-Angriff oft mit einem Szenario wie diesem konfrontiert: Gegnerische Verteidiger orientieren sich leicht in seine Richtung, verteidigen aber nur seinen Drive, in dem eine Pack-Line-Formation in der Zone aufgezogen wird:

Wer kann es gegnerischen Coaches verdenken, auf diese Weise zu verteidigen, wenn sie bisher nur solche Wurfaktionen von Simmons gesehen haben:

Der 19 Jährige muss nicht nur an der Effektivität seines Distanzwurfes schrauben, sondern vor allem auch verstehen, dass es selbst bei schlechten Quoten wichtig ist, ab und zu mal einen Dreier zu nehmen. Den Wurf komplett zu verweigern, erleichtert es gegnerischen Teams ungemein, ihn zu verteidigen. Aktuell weitere Aussagen über sein Wurfpotential zu treffen, ist schwierig, da es so wenige Versuche gab, in denen seine Mechanik genauer beobachtet werden könnte. Immerhin geben die Freiwürfe Grund zum leichten Optimismus (74,5 FT% bei 51 FTA).

Drive

Da der Wurf noch nicht existent ist, musste für Simmons der Zug zum Korb als bisher gefährlichste Waffe herhalten. Der Australier verfügt über viele Dribblemoves, Körpertäuschungen sowie einen guten ersten Schritt. Dies ermöglicht ihm in den meisten Situationen nach Belieben Raum für eigene Aktionen zu gewinnen und den Weg in die Zone zu finden. Beim Abschluss am Ring hat er kaum Probleme, da er zum einen über einen schon recht erwachsenen und gut durchtrainierten Körper verfügt (225 lbs.); zum anderen fällt immer wieder auf, dass er über eine gut ausgebildete Off-Hand verfügt, also auch den Abschluss mit seiner schwachen, rechten Hand nicht scheut. Gegen Spieler seiner Größe hat er fast immer den Geschwindigkeitsvorteil. 73FG% am Ring, obwohl er dort 57 Prozent seiner Abschlüsse findet, sprechen aktuell eine sehr deutliche Sprache – das aktuelle Level stellt keine Herausforderung dar.

Eine Aktion gegen NC State, bei der er nicht nur über einen Ballfake seinen Gegenspieler aus der Balance bringt, sondern klugerweise auch den Ring als Blockschutz nutzt, zeigt dies deutlich:

Ein Spieler vom Kaliber Ben Simmons muss aber auch auf hohem Niveau kritisiert werden. Teilweise würde ich mir mehr Konzentration und Finesse in seinen Abschlüssen wünschen. Oft gelingen die Aktionen nur wegen körperlicher Überlegenheit und ließen sich höchstwahrscheinlich in der NBA in dieser Art und Weise nicht reproduzieren.

Hier zieht Simmons zum Korb, um dort zwei Verteidiger zu treffen. Es spricht für ihn, dass er so einfach auch mit Kontakt abschließt. In der NBA gegen bessere und größere Athleten würde er in dieser Situation aber wohl geblockt werden:

Ähnliches gilt für Drives wie diesen. Der Tigers-Forward schafft sich über Fußarbeit nur wenig Raum und verkleinert diesen sogar noch, weil er seinen Drive über links mit der rechten Hand abschließt. Eventuell tut er dies, um für Kontakt und daraus entstehende Freiwürfe zu sorgen. Aber grundsätzlich verzichtet er hier freiwillig auf etwas mehr Wurffreiheit. Bessere Verteidiger wissen dies zu bestrafen:

Postups

In den letzten Spielen wurde Simmons vermehrt als Postup-Spieler eingesetzt, damit Gegner nicht mehr die oben schon aufgezeigten Pack-Line-Defense-Prinzipien auffahren können, weil der Freshman am Perimeter keine Gefahr ausstrahlt. Dies funktionierte bisher ganz gut, da er sein Passing auch im Low- und Highpost gewinnbringend einzubringen weiß. Zudem ist der Aussie in der Lage, auch mit dem Rücken zum Korb gegnerische Spieler zu überpowern und in Korbnähe über Hakenwürfe abzuschließen. Andere, anspruchsvollere Moves zeigte Simmons noch nicht oft. Das kann aber von einem Ballhandler auch nicht erwartet werden.

Ein Blick auf schon sehr flüssige Bewegungen:

Es bleibt eine kleine Kritik, die sich analog an die Bedenken aus der Drive-Sektion anschließt. Simmons muss aufpassen, welche Hand er für den Abschluss wählt. Rechte Hand über die rechte Schulter ist eher blockbar, als der Wurf mit der linken Hand in dieser Situation:

Verteidigung

Ben Simmons überrascht mich vor allem in dieser Kategorie. In der Defense bewies er bisher große Vielseitigkeit, obwohl seine körperlichen Voraussetzungen durch seine verhältnismäßig kleine Armspannweite von 6’10” nicht optimal sind. Sowohl als Kopf von Press-Verteidigungen, als auch als Man-to-Man-Defender am Perimeter und im Post oder aber als Rückgrat einer 2-3-Zone – Simmons ist in allen Formationen ein effektiver Bestandteil des Systems.

Ihn zeichnen seine Beweglichkeit, seine flinken Hände, sein Wille zum Verteidigen und ein gutes Gefühl für Positionierung aus:

Gern sorgt er durch Hustle auf diese Weise für Steals:

Dazu kann er gelegentlich als Helper Highlight-Blocks einstreuen:

Ich sehe ihn derzeit als klaren Plusverteidiger, der gegen eine Vielzahl von verschiedenen Forward-Typen eingesetzt werden und damit seinem Team in vielen Matchups behilflich sein kann. In der NBA hat er am Perimeter wohl mehr Potential, kann dies aber aktuell noch nicht in jedem Spiel zeigen, da er für die Tigers oft als größter Spieler aufläuft und so automatisch mehr Aufgaben im Post übernehmen muss.

Rebounding

Auch Simmons‘ Reboundingzahlen überraschen mich etwas, da er offensiv besser reboundet als gedacht. Über 4 ORBpG sind eine Ansage und bilden ab, dass er Fehlwürfen gern und oft nachgeht. Defensiv sind seine Statistiken aber definitiv etwas aufgebläht, da das LSU-System darauf ausgelegt ist, dass er schnellstmöglich an den Ball kommt, um Fastbreaks einzuleiten. Dies lässt sich schön in den Team-Stats ablesen. Kein anderer Tiger macht ihm auch nur im Ansatz defensive Boards streitig. Es gibt niemanden außer Simmons mit auch nur 4,5 RpG. Simmons‘ DRB% mag mit fast 30% monströs wirken, noch hat sein Team aber insgesamt eine negative Reboundingbilanz. Simmons ist trotzdem ein guter Rebounder mit gelegentlichen Aussetzern:

Dennoch ist die Perspektive wichtig: Dass er aktuell auf 100 Possessions sechs Boards mehr als College-Andre Drummond holt, liegt mehr am Tigers-System und den Umständen des Kaders als an den Fähigkeiten des Freshman. Es wäre unfair zu erwarten, dass er auch auf NBA-Ebene zweistellig reboundet.

Systemschwierigkeiten

Abschließend soll es noch einmal um das Coaching der Tigers gehen. Noch kann ich nicht einschätzen, ob der LSU-Staff Simmons individuell eher schadet oder hilft. Aktuell schultert der Forward die komplette Verantwortung und wird kaum vom Spielfeld gelassen (35,6 MpG). Dabei lassen ihm die Trainer fast immer freie Hand. Dass die Spieler auf dem Feld Systeme durchlaufen, sieht man eher selten. Vielmehr darf Simmons ständig allein kreativ werden. So schön das für ihn sein wird, sich basketballerisch komplett ausleben zu können, so ärgerlich ist es sicherlich auch, dass die Mitspieler taktisch kaum in gute Situationen gebracht werden bzw. ihn dort hinbringen, um effizienten Basketball zu spielen (derzeit #106 bei KenPom). Im Halfcourt ist die Tigers-Offense so stagnierend und träge wie kaum ein anderer CBB-Angriff. Dribbelt Simmons am Perimeter, schauen alle anderen oft nur zu. Geht der Freshman in den Post, werden oft Möglichkeiten verpasst ihn anzuspielen, da es abseits von ihm an Playmakingfähigkeiten und an klaren taktischen Maximen zu fehlen scheint:

Diese mangelnde Hilfe könnte Simmons in Kombination mit dem ausbleibenden Erfolg seiner Mannschaft auch zunehmend frustrieren und ihn in seiner Entwicklung etwas hemmen. In der NBA wird er nicht so frei agieren dürfen und eher systemlastigeren Basketball spielen. Die aktuelle Situation bereitet ihn nicht optimal auf diese Zukunft vor.

Für das nächste Update hoffe ich persönlich mehr über den Wurf des #1-Pick-Contenders sagen zu können. Wie für jeden Spieler, wäre ein funktionierender Dreier oder auch nur Pull-Up-Zweier eine öffnende Komponente für das eigene Game. Zudem wäre es aufschlussreich Simmons gegen noch mehr gute Teams zu sehen. Der Freshman legte seine Wunderzahlen gegen den bis dato #299 SOS auf. Allerdings tritt LSU wegen schlechtem Scheduling erst Anfang Januar wieder gegen wirklich aufschlussreiche Gegner an. Bis dahin sind kaum neue, valide Aussagen möglich.

02.09.2015 (Julian Barsch)

Ben Simmons ist eine Ausnahmeerscheinung. Nur sehr selten erlebt man heutzutage einen Spieler wie ihn. Als Junge aus Fitzroy, Melbourne wuchs Simmons in Australien auf. 2013 zog er dann nach Florida, um an der Montverde Academy Basketball zu spielen. Das Talent des Ausnahmespielers sollte sich schnell herumsprechen. Es dauerte genau ein Jahr, um direkt in seiner Sophomore Saison die nationale High School Meisterschaft zu gewinnen. Mit einem gewissen D’Angelo Russell zusammen hatte Simmons direkt einen gehörigen Impact. Viel beeindruckender ist dann jedoch die Tatsache, dass sich die Erfolgsgeschichte im Junior- und Senior-Jahr fortsetzte und der Aussie in drei Spielzeiten in Folge abräumen konnte. Gegen das Alma Mater von Carmelo Anthony, die Oak Hill Academy, gewann Montverde 2014 und 2015. 

Doch das allein reicht noch nicht, um ihn zu diesem Ausnahmetalent zu machen. Gerade in der heutigen Zeit sieht man viele athletische, aber sehr rohe Freshman am College, die von Fundamentals höchstens in einem Satz mit Tim Duncan gehört haben. Selten kommen Spieler schon mit einer überdurchschnittlichen Vielseitigkeit und gutem Basketball-IQ in die NCAA. Ben Simmons überzeugt genau mit diesen Attributen. Während es ihm auch an der Athletik nicht mangelt, gelten eben diese als seine absoluten Stärken. 

Es passt perfekt, dass er mit einer Größe von 6’10” zu den besten Passern seiner Recruiting Class gehört. Natürlich hilft die Größe, da er ohne Probleme über die Defense hinwegsehen kann. Dabei kann er beim Drive praktisch jeden Pass an den Mann bringen, jedoch auch aus dem Post heraus den offenen Mann finden. Genau das macht ihn zu einem solch gefährlichen Akteur überall auf dem Spielfeld und deswegen fällt er auch nicht in die Riege der klassischen Big Man. Der 19-Jährige wird allgemein als Forward angesehen. Da er jedoch häufig den Ballvortrag übernimmt und für andere vom Perimeter kreiert, ist die Rolle als Point Forward wohl angemessener. 

Ben Simmons bringt schon jetzt eine Reife aufs Spielfeld, die selten an dem Punkt der Karriere ist. Das ist wohl auch der Aspekt, der es ermöglicht hat, sich drei Jahre in Folge national gegen jegliche Konkurrenz durchzusetzen. Selten bis gar nicht gibt er einem das Gefühl von Unsicherheit auf dem Court und erleichtert seinen Mitspielern das Leben damit ungemein. 

Das sind insbesondere Gründe, warum es keinen Grund gibt, dass er keinen direkten Impact für die LSU Tigers haben sollte. Es ist schon richtig, dass er neben Skal Labissiere als einziger Freshman ein Blue Ribbon Preseason All-American ist. Durch das jetzt schon sehr hohe und erwachsene Spielniveau wird die Umstellung für ihn weniger schwierig, als für den Durchschnitts-Freshman, der seinen Weg zum Division I College Basketball findet. 

Spielervergleich

01.02.2016 (Tobias Berger)

Ein Leben als großer Full-Time-Playmaker wird wegen des fehlenden Dreiers immer unwahrscheinlicher. Dies muss aber dem Wert von Simmons keinen Abbruch tun. Ich würde ihn gern in einer Art Blake Griffin-Rolle sehen, in der er als Triple-Threat aus dem Highpost heraus eine große Gefahr darstellt und defensiv idealerweise mit einem echten Rimprotector zusammenspielt.

 

Ersteindruck (Julian Barsch):

Gleich vorab, Ben Simmons ist nicht LeBron James. Der Vergleich passt jedoch insofern ganz gut, weil er wahrscheinlich von der Spielweise und Position der am besten aktuell passende Spieler in der NBA ist. Beide sind in der Riege der Point Forwards anzusiedeln, da sie sowohl vom Ballvortrag an bis zum Spiel im Post zuhause sind. Beide leben von ihrem Drive und haben stets ein Auge für den Mitspieler. Ähnlich wie James – wenn auch etwas schlechter – ist Simmons kein sicherer Distanzschütze. Trotzdem hat er durch die Kombination aus Übersicht, Größe, Athletik und Basketball-IQ konstant einen Vorteil gegenüber seinen Kontrahenten. 

Aus der Vergangenheit sind Namen wie Grant Hill oder Jalen Rose zu nennen. 

Videos

Wichtige Spiele mit aufschlussreichem Matchup

5. Januar 2016 vs. Kentucky gegen Skal Labissiere
5. März 2016 @ Kentucky gegen Skal Labissiere

Artikelempfehlungen

He guarded Anthony Davis, battled James Harden to a draw, proved he’s the best passer in the building, showed off his defensive potential and did enough to get Jay Bilas to say he has a higher ceiling than Andrew Wiggins. He’s being called the “ultimate modern NBA player” a month after he graduated high school.

The Ben Simmons hype is starting early

Statssektion

International: 

FIBA U17 WM: 9 Punkte, 5.3 Rebounds, 1.3 Steals und 1 Block in 20,6 Minuten.

High School: 

Senior Season: 28 PPG, 11.9 RPG, 4 APG, 2.6 SPG, 1.5 BPG, 66 FG%
McDonalds All-American 2015: 7 Punkte, 10 Rebounds, 3 Assists und 2 Steals in 19 Minuten
Nike Hoop Summit 2015: 13 Punkte, 9 Rebounds, 9 Assists und 2 Steals in 30 Minuten.

Awards:

Gatorade National Player of the Year 2015
Naismith Prep Player of the Year 2015
First-team Parade All-American

Statsvergleich innerhalb der Draftclass

Trivia

Simmons spielte auch Australian Football und Rugby und entschied sich erst mit 14 Jahren vollkommen für Basketball. 

2013 zog Simmons nach Florida, um für die renommierte Montverde Academy aufzulaufen.

Simmons gewann in seinem Sophomore-, Junior- und Senior-Jahr die nationale High School-Championship.

Dave Patrick, sein Patenonkel, ist Assistent Coach an der Louisiana State University und hatte damit einen großen Einfluss auf die Entscheidung des Prospects. 

Twitter

@BenSimmons25

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