Dallas Mavericks, Los Angeles Lakers, New York Knicks

Lin/Asik reloaded?

Die Vertragssituation der Sophomores Jordan Clarkson, Langston Galloway und Dwight Powell

Für Spieler, die nicht erst nach ihrer dritten Saison zum ersten Mal Free Agents werden, gelten einige Sonderregeln. Die wichtigste ist die sogenannte Gilbert Arenas Provision, die mögliche Offer Sheets für die Restricted Free Agents stark begrenzt. Will ein anderes Team einen der jungen Spieler verpflichten, können sie kein Gehalt in Höhe des Maximums anbieten – in den ersten zwei Jahren beträgt die Höchstsumme nur etwa 5 Millionen Dollar. Der Hintergrund der Regelung ist, dass sonst Teams über dem Cap keine Chance hätten, ihre Sophomore-Free Agents zu halten, wie 2003 im Fall des namensgebenden Gilbert Arenas passiert: Die Golden State Warriors hatten keine Möglichkeit, ihm die gleiche Summe zu bezahlen wie die Wizards. Nach zwei Jahren halten Franchises keine vollen Bird-Rechte, sondern nur die sogenannten Early Bird Rights. Damit können Spieler entweder das offizielle Durchschnittsgehalt – die angesprochenen gut 5 Millionen Dollar pro Jahr – oder 175% ihres letzten Gehalts erhalten. Dürfte ein anderes Team also einfach ein Einstiegsgehalt von 7 Millionen Dollar bieten, wären die Restricted-Regeln ausgehebelt.

Deswegen gilt seit dem Collective Bargaining Agreement (CBA) von 2005 die Sonderregel, die durch Jeremy Lin und Omer Asik vergleichsweise bekannt wurde (Ein dritter Fall, Landry Fields, ist wohl zu Recht in Vergessenheit geraten): Restricted Free Agents mit zwei Jahren Erfahrung können als Anfangsgehalt eines Offer Sheets maximal das Durchschnittsgehalt erhalten, im zweiten Jahr die übliche 4,5%-Erhöhung. Im dritten Jahr darf die Summe dagegen beliebig, also bis zum Maximal-Gehalt, steigen.

Alles bleibt anders

Falls das Team jedoch Cap Space hat, wird der Cap Hit (aber nicht die tatsächliche Zahlung an den Spieler, was für Trades relevant ist) gleichmäßig über die Jahre verteilt. Im Fall von Lin und Asik war das für Houston der Fall, bei den jeweiligen anderen Teams jedoch nicht: Die Bulls beziehungsweise Knicks hätten im dritten Vertragsjahr die Luxussteuer auf 15 Millionen Dollar Gehalt zahlen müssen. Die resultierenden hohen Kosten waren wohl für beide Franchises der Hauptgrund, ihre Restricted Free Agents nicht zu halten. Die eigentlich als Schutz für das bisherige Team gedachte Regel wurde so zur Waffe, was dem Ruf von Rockets-GM Daryl Morey sicher nicht schadete.

In den kommenden Jahren dürfte sich dieses Szenario vermutlich nur abgewandelt wiederfinden, da in der nächsten Offseason nur einzelne Teams wie Cavs und Warriors nicht über Cap Space operieren werden. Der Sprung des Salary Caps durch den neuen TV-Deal bedeutet viel mehr, dass zu viel Geld für zu wenige gute Spieler vorhanden sein dürfte. Es ist daher sicher verlockend, Sophomores mit hohen Verträgen auszustatten und auf eine weitere Entwicklung zu hoffen. Außerdem weist das dritte Jahr erneut einen interessanten Nebeneffekt auf: Die enormen Cap-Sprünge der nächsten beiden Jahre werden dann vermutlich ihr Ende gefunden haben. Nach geschätzten 89 Millionen Dollar (16/17) und 108 Millionen Dollar (17/18) könnte im Folgejahr ein Rückgang auf ‚nur‘ 100 Millionen Dollar zu verzeichnen sein. Diese Summen sind zwar selbst im Verhältnis zum aktuellen Cap von 70 Millionen Dollar nur schwer vorstellbar, aber 15 Millionen stellen auch dann eine Belastung dar. Die bisherigen Teams müssten also Cap Space offen halten, um nicht in das Jahr 3-Szenario zu fallen, sondern stattdessen den Vertrag gleichmäßig über die Jahre auszudehnen. Je nach Situation behindert das die Free Agency-Optionen erheblich, eine erfolgreiche Neuauflage von Moreys Trick ist also nicht auszuschließen.

Die drei Kandidaten

Drei Spieler sind realistische Kandidaten für diese Vertragsgestaltung: Jordan Clarkson, Langston Galloway und Dwight Powell. Alle drei konnten sich als Rotationsspieler etablieren und legen bisher sowohl in Volumen als auch Effizienz überzeugende Zahlen auf: Clarkson war  schon als Rookie einer der besten Lakers, konnte trotz gesteigerter Minuten auch seine Quoten verbessern (56,2% True Shooting statt 52,8) und erzielt dabei 15,8 Punkte, die zweitmeisten hinter Kobe Bryant. Mit aktuell 43,9% aus der Distanz und 6-5 bringt er gleichzeitig alles mit, was von Guards in der NBA erwartet wird. Galloway fehlen zwar einige Zentimeter (6-2), in einer begrenzten Rolle konnte er jedoch ähnlich überzeugen, wobei seine Effizienz nach eine hervorragenden Start etwas zurückging (nur noch 51,7% TS). Mit zur Zeit 43,3 % von der Dreipunktlinie weist er aber eine andere sehr gefragte Qualität auf, die er – anders als Clarkson – letzte Saison mit immerhin gut 35% schon angedeutet hatte. Auch Powell galt bis zum Sommer als potentieller Stretch Big mit Fokus auf dem Wurf, hat sich dann allerdings in einer anderen Rolle etabliert: Die Mavs setzen ihn als flexiblen Backup-Big ohne augenscheinliche Schwächen ein, der unter anderem durch viele gezogene Fouls seine Effizienz (56,4% TS, 112 ORtg) aufrechterhält.

Auch wenn eine 20 Spiele alte Saison kaum geeignet ist, einen Durchbruch zu verkünden, sind diese Leistungen bemerkenswert. Die drei Spieler verbindet zusätzlich, dass sie bisher weitgehend unter dem Radar flogen. Sie sind lang keine Teenager mehr, Powell und Galloway blieben die vollen vier Jahre in Stanford beziehungsweise der Saint Joseph’s University, Clarkson transferierte für sein Junior-Year noch nach Missouri. Für Powell und Clarkson reichte die eher unspektakuläre College-Karriere immerhin für die Mitte der zweiten Runde im Draft (42 bzw. 46), Galloway blieb ungedraftet und wurde von den Knicks nach dem Training Cap vorerst entlassen und konnte sich erst Anfang 2015 über zwei 10-Tages-Verträge ins Team spielen. Während Clarkson sich bei den Lakers bereits in der Rotation etablierte, erhielt Powell bei den Celtics keine Spielanteile und stand erst nach seinem Wechsel nach Dallas zusammen mit Rajon Rondo etwas öfter auf dem Parkett. Für einen festen Platz in der Rotation reichte es jedoch erst diese Saison durch den Bigs-Mangel der Mavs, die beiden Guards hatten dagegen schon letzte Saison All-Rookie-Ehren erspielt. Die Teams würden sicher gerne länger die Entwicklung ihrer Spieler beobachten, die Verträge laufen jedoch im Sommer aus.

Welches Minimum darf es sein?

Vor diesem Hintergrund ist ein genauerer Blick auf die Minimum-Verträge angebracht – wieso lassen nicht alle Franchises ihre jungen Spieler längere Verträge unterschreiben, wie es zur Zeit vor allem die Sixers machen? Nicht voll garantierte spätere Jahre machen diese Vertragsform relativ risikolos, im Optimalfall hat man einen auf Jahre extrem günstigen Spieler wie etwa Robert Covington.

Die einfache Erklärung ist, dass die Minimum-Exception für Teams über dem Cap nur Zweijahresverträge erlaubt. Die Knicks waren beispielsweise ein Tax-Team ohne übrige Exceptions, Galloway ein Mid-Season-Signing – es fehlte einfach die Alternative. In den anderen beiden Beispielen war der Fall nicht so klar: Die Lakers setzten ihren Cap Space lieber für Veteran Free Agents – etwa einen Amnesty Claim auf Carlos Boozer – ein, die Celtics nutzten ihre Mid Level-Exception nicht einmal vollständig. Die Frage ist also, wie Franchises ihre Prioritäten setzen. Nachdem ein erheblicher Teil der Zweitrundenpicks es nicht bis ins dritte NBA-Jahr schafft, hält sich der Sinn längerer Verträge für Picks jenseits der 40 in Grenzen.

Trotzdem nutzen die meisten Teams jede Chance, zumindest 3-Jahres-Verträge zu vergeben, was oft einen sinnvollen Kompromiss darstellt. Vier Jahre klingen zwar noch verlockender, müssen aber den Spielern durch Zugeständnisse etwa bei der Garantie-Summe abgerungen werden und haben einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Haken: Nur Erstrundenpicks sind nach vier Jahren Restricted Free Agents, alle anderen Spieler sind dann unrestricted. Bei Lance Stephenson und indirekt auch Chandler Parsons – den die Rockets unter anderem deshalb nach 3 Jahren zum RFA machten, statt eine weitere Saison abzuwarten – stellte sich dieser Faktor als schädlich heraus. In wie weit ein Jahr mit sehr günstigem Vertrag die Verwendung von Cap Space oder einer Exception rechtfertigt, muss auch vor dieser Überlegung bestand halten – zumal die Arenas-Rule ja an sich einen Vorteil für die bisherigen Franchises bedeuten soll. Ansonsten besteht auch die Gefahr, dass zumindest früh in der zweiten Runde gezogene Spieler den Weg von K.J. McDaniels beschreiten: Er nahm nicht den von den Sixers angebotenen, teilweise garantierten Mehrjahresvertrag an, sondern das sogenannte Minimum Tender, einen nicht garantierten Einjahresvertrag. Nach einer guten Saison in Philadelphia und einem Trade zu dem Rockets erhielt er im Sommer weitgehend unbeachtet einen 10-Millionen-Dollar-Vertrag über 3 Jahre. McDaniels wird damit in seinen ersten vier NBA-Jahren etwa so viel verdienen wie der 10. Pick seines Jahrgangs, Elfrid Payton. Das gilt vermutlich auch für Clarkson, Galloway und Powell – was die Tücken der Minimum-Rookies aufzeigt.

 

Ausblick

Es ist noch alles andere als sicher, dass alle drei Spieler in der kommenden Offseason einen Vertrag unterschreiben, bei dem die Arenas-Exception wirklich ins Gewicht fällt. ‚NBA-Sophomore‘ klingt zwar jung, aber für Mitte-20-Jährige wollen Teams in der Regel weniger Potential mitbezahlen. Behalten sie ihre bisherigen Leistungen bei, reicht jedoch schon dieses Level recht deutlich für einen Vertrag jenseits der 5 Millionen Dollar pro Jahr – während ein spät gezogener Erstrundenpick nur in seinem dritten und vierten Jahr nur um die 2 Millionen verdienen würde.

Man könnte diese finanziellen Details auf für (zumindest vorerst) irrelevant erklären und zum Thema der kommenden Offseason erklären. Clarkson, Powell und Galloway zeigen jedoch, wieso die Wahrnehmung von Talent immer auch den Vertrag miteinbeziehen sollte: Die Entwicklung eines Spielers ist deutlich weniger attraktiv, wenn das Team dadurch schon im nächsten Sommer viel, möglicherweise zu viel, bezahlen muss. Besonders auffällig ist das im Fall der Lakers, denn, zynisch gefragt: Ist es im Sinn der Franchise, wenn Clarkson gleichzeitig seinen Wert verbessert und die Chancen auf den eigenen Pick reduziert?

 

Statistiken via basketball-reference.com – Stand 5.12.2015

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