Charlotte Hornets, Keys to the series, Miami Heat, NBA, Playoffs 2014

Keys to the series: Miami (2) vs. Charlotte (7)

Eastern Conference, first round

Die Playoffs haben gestern bereits furios begonnen, heute greifen die restlichen acht Teams noch ins Geschehen ein, unter anderem auch der Meister des letzten Jahres. Go-to-Guys.de schaut auf alle Serien und versucht zu erklären, was die Franchises machen müssen, um erfolgreich aus der Serie zu gehen. Was sind die “Keys to the series” für die Heat und Bobcats?

Wie kann Miami diese Serie erfolgreich gestalten?

Artur Kowis: Cliffords Wunderwerk, die Verteidigung der Cats aus ungenügend in sehr gut zu wandeln, ist beachtlich. Bei gegnerischen Drives wird kaum eine andere Verteidigungsreihe in der Liga so stark in die Mitte gesogen, sodass sich allen voran Al Jefferson nicht als Hilfsverteidiger außerhalb der Zone mühen muss. Neben dem starken Rebounding am eigenen Brett waren auch die wenigen begangenen Fouls ein wichtiger Grund für die exzellente Verteidigung Charlottes – pro 100 Feldwürfe gingen gegnerische Teams nur 18 mal an die Freiwurflinie, was der zweitbeste Wert der Liga ist.
Die Offensive der Heat verfügt über die Mittel, dieses System mit Leichtigkeit auszuhebeln – LeBron James und Shooter. Gut, die bereiten jeder Defensive Probleme, doch den Bobcats besonders. Diese lassen die fünfthöchste 3FG% zu und kriegen aufgrund der Fokussierung auf die Mitte insbesondere Dreier “above the break” nicht verteidigt. Die Aufmerksamkeit, welche LeBron als Ballhandler im Drive oder im Post auf sich zieht, der laut Kirk Goldsberry ein führender Assistgeber bei Eckendreiern ist, sollte Charlotte in größere Foulprobleme bringen und auch Closeouts gegen die Ecken schwieriger gestalten als üblich. In den Duellen gegen die Heat zeigte sich dieses Problem bereits: Die Heat trafen 45% ihrer Dreier und warfen 32 Frei- pro 100 Feldwürfe in vier Spielen.

Dennis Spillmann: Die Heat sollten gegen die Bobcats unter jedem Screen das Pick ‘n’ Roll verteidigen und generell die Bobcats dazu zwingen, den Dreier zu werfen. Charlotte hat zum einen nur einen überdurchschnittlichen Dreierschützen in dieser Saison (und das ist Josh McRoberts!), auch wenn die Akquisition von Gary Neal eine gute Entscheidung war. Problematisch ist vor allem das Personal auf den kleinen Positionen, wo weder Walker, noch Henderson oder Kidd-Gilchrist den Dreier auf Ligadurchschnitt treffen können. Nimmt man nun noch hinzu, dass die Heat meist mit vier Perimeterspielern auflaufen, egalisiert sich der Vorteil eines Stretch-Bigs wie McRoberts schon fast.
Dementsprechend sollten die Heat ihre Defense so anlegen, dass sie versuchen, den Ring zu verteidigen (warum dies ebenso wichtig sein sollte, ist weiter unten noch zu lesen), und die Bobcats zwingen, die Serie mit ihren Distanzwürfen für sich zu entscheiden. Dies ist – gerade in Anbetracht der limitierten Optionen – sicherlich nicht das Ziel von Charlotte.

Fabian Thewes: Die Heat sollten die Bobcats nicht unterschätzen. Trotz der vier Siege in der regulären Saison haben die Bobcats gewisse Stärken, die Miami schaden könnten. So wäre das Postup-Monster Al Jefferson nicht der erste Big Man, der die Heat in der Zone dominieren könnte. Im Rebounding haben die Bobcats ebenfalls Vorteile. Zudem sind sie die ballsicherste Mannschaft der NBA; garniert mit der besten Transition Defense der NBA werden die Heat womöglich weniger sogenannte leichte Punkte generieren als allgemein angenommen. Daher wird Bobcats-Coach Steve Clifford sicherlich versuchen das Spiel langsam zu gestalten und sein Team zu einer gewissen Härte und einem körperbetonten Spiel zu animieren.
Dementsprechend muss es Miami darum gehen, den Kampf anzunehmen, den Charlotte forcieren wird. Lassen sich die Heat davon nicht beeindrucken und spielen sie in der Offensive ihren normalen Stiefel herunter, wird die Serie ein sehr schnelles Ende finden.

Wie kann Charlotte diese Serie erfolgreich gestalten?

Artur Kowis: Ein einziger Sieg der Bobcats wäre für mich bereits ein Achtungserfolg. Die Heat sind einfach ein fieses Match-up. Coach Clifford wird alle Hände voll zu tun haben, Rotationen zu finden, die offensiv wie defensiv funktionieren. Zu seinem Ärgernis befinden sich viele Spieler in Kader, die auf einer Seite des Feldes Qualitäten besitzen und auf der anderen Seite zum Teil grobe Minuse sind.
Dazu gehört Michael Kidd-Gilchrist, der als einziger eine reele Chance hat, LeBron über Strecken Eins-gegen-Eins zu verteidigen. Doch er ist offensiv meist ein Komplettausfall. Die Heat verteidigten Dreier nicht besonders gut und da die Cats weiterhin über wenige wurfstarke Optionen verfügen, werden die Heat MKG wohl weniger als LeBron-Bewacher fürchten, sondern seine Präsenz eher als Möglichkeit sehen, die wenigen Offensivoptionen Charlottes komplett einzuengen. Eine Steigerung MKGs ist schwer vorstellbar, vor allem da er besonders im letzten Aufeinandertreffen keine gute Figur abgab, sich also auch defensiv steigern muss. Gelingt es ihm, hier und da erfolgreiche Abschlüsse zu finden, sodass Clifford ihn auf dem Feld lassen kann, und kann er defensiv näher an LeBron bleiben, sodass nicht von allen Seiten Hilfe geschickt werden muss, könnten sich vielleicht anderthalb Spiele spannend gestalten.

Dennis Spillmann: Die Bobcats müssen Al Jefferson mehr in seinen Sweet Spots nutzen. Während Jeffersons Wurfauswahl und – ausbeute gemein hin als ein Grund dafür angesehen wird, dass die Bobcats ihren Playoffpush starten konnten (und fast 22 PPG sind ein absolut legitimes Agrument), sollte man auch die andere Seite der Medaille sehen: Die Bobcats stellen die zweitschwächste Offense aller Playoffteams. Ein Grund dafür ist, dass Al Jeffersons bisheriger Sweet spot der Midrange-Wurf ist.
Für all diejenigen, die die Bobcats in dieser Saison noch nicht oder nur rudimentär gesehen haben, sollte es also nicht verwunderlich sein, wenn Jefferson am High Post agiert. Den Ruf eines klassischen Low Post-Spielers besitzt Jefferson nicht ganz zu Unrecht, weil er über die notwendigen Moves verfügt, aber er nutzt diese Moves faktisch zu wenig.
Im Vergleich mit den Perimeter-Stars der Heat ist Jefferson derjenige, der prozentual am meisten aus der Mitteldistanz abschließt (knapp 40% all seiner Wurfversuche nimmt er von dort) und demzufolge am wenigsten direkt am Ring agiert. Damit Charlotte auch nur den Hauch einer Chance in dieser Serie hat, muss Jefferson in jeder Possession direkt unter den Ring und den viel filigraneren Chris Bosh aufposten. Gerade dieses Matchup kann Jefferson nicht dadurch gewinnen, dass er Bosh vom Ring weglockt, sondern muss ihn dort attackieren. Jefferson trifft 67% aller Würfe direkt am Ring. Er muss hier die meisten Würfe in der Serie nehmen.

Fabian Thewes: Die Saison ist jetzt schon ein Erfolg. Auch wenn der Gegner in Anbetracht der drei Finalsteilnahmen in Folge und LeBron James übermächtig erscheint, es könnte schlechtere Ausgangspositionen für die Bobcats geben. Alle vier Spiele aus der regulären Saison gewannen die amtierenden Champions. In den beiden Spielzeiten zuvor verlor Charlotte 120 Spiele. Also traut niemand Charlotte gegen Miami auch nur einen Sieg zu. Und aus dieser krassen Underdog-Stellung spielt es sich doch gar nicht so schlecht. Hinzu kommen die oben beschrieben Stärken der Bobcats (Al Jefferson, Rebounding, Defense). Das alles wird zwar in Anbetracht der individuellen Klasse der Heat kaum reichen; im Prinzip wäre ein einziger Sieg schon ein Erfolg. Doch selbst wenn der Sweep nicht verhindert werden kann: für Trübsal wird das beim Team von Michael Jordan kaum sorgen. Die Franchise hat nach 2010 wieder eine positive Bilanz und baut gerade eine neue spielerische und konzeptionelle Identität auf. Sie haben sich durch die überragende Arbeit von Coach Clifford als eines der besten Defensivteams etabliert – und im kommenden Jahr werden die Bobcats wieder Hornets heißen.

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